Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers

Bei einem Lieblingsfilm geht es ja nicht nur um Qualität, sondern vor allem darum, was so ein Film in einem auslöst und wie oft man ihn sich ansehen kann, ohne dass er einem zum Hals raus hängt oder sonstwie an Charme und Überzeugungskraft verliert.

Ich habe mich also für einen Klassiker entschieden, der mich fast mein ganzes Leben lang begleitet hat und den ich bestimmt schon 30 Mal, meistens Sonntagsnachmittags, gesehen habe: „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“ (1986) von Rob Reiner. Der Film basiert auf einer Novelle von Stephen King (Originaltitel: „The Body“), ist aber kein Horror, obwohl das zentrale Symbol eine Leiche ist.

Ja, es geht um Vergänglichkeit in diesem Film, der viel mehr ist als die Erzählung eines makabren Jungsabenteuers im Jahre 1959: Ein im ursprünglichen Sinn des Wortes romantisches, vor Leben nur so vibrierendes „Memento Mori“ mit großartigen Jungdarstellern wie Wil Wheaton, der heute hin und wieder in „The Big Bang Theory“ zu sehen ist, dem damaligen Top-Kinderstar und späteren Drogenopfer Corey Feldman und dem jungen, von mir seinerzeit sehr sexy gefundenen Kiefer Sutherland, der hier im Billy-Idol-Look den fiesen White-Trash-Gangster namens King gibt.

Was die Entstehung von „Stand By Me“ betrifft, fielen so einige Sternstunden zusammen: Eine der m. E. stärksten und dichtesten Erzählungen von Stephen King, ein Rob Reiner (der später noch Kings „Misery“ verfilmen sollte) in Hochform und der ganz junge, schon damals extrem charismatische River Phoenix, der in der Rolle des Chris Chambers seinen großen Durchbruch erlebte.

Die Story ist eigentlich in einem Satz erzählt: Vier zwölfjährige Jungs machen sich auf die Suche nach einem toten Jungen in ihrem Alter, der wohl beim Blaubeerenpflücken von einem Zug erfasst wurde und seitdem vermisst wird. Das Besondere ist, wie diese wundersame Reise erzählt wird, wie gut Rob Reiner den schwül-beschwingten, Rock 'n' Roll-durchwaberten Rhythmus eines Hochsommerwochenendes an der Schwelle zu den 60ern trifft, wie dicht er dran ist an der Welt von vier Zwölfjährigen, die sich aufmachen, um ein letztes, gemeinsames Abenteuer zu erleben, bevor sie erwachsen werden.

Chris, Gordie, Teddy und Verne verlassen also die von Stephen King immer wieder gern als Schauplatz gewählte Kleinstadt Castle Rock und wandern die Schienen entlang durch die Lande, rauchen Zigaretten, streiten sich, reden über Mädchen, Comicfiguren, Probleme mit Eltern und Lehrern. In der Erzähltradition großer amerikanischer Abenteuerautoren wie Jack London und Mark Twain erleben sie dabei natürlich auch den einen oder anderen Nervenkitzel am Schienenstrang: Konfrontationen mit heranrasenden Zügen, Blutegeln und einer Halbstarkengang, die ebenfalls nach der Leiche sucht, liegen auf dem aufregenden Weg quer durch den hochsommerlichen US-Bundesstaat Oregon.

Spätestens wenn sich nach diesem Wochenende nicht nur die Nachhause- , sondern auch die Lebenswege der vier Jungs trennen, weil sie nach den Ferien auf unterschiedliche Schulen gehen, wird einem klar, was man da gerade eben Besonderes gesehen hat: Die besten und letzten Tage einer Freundschaft, die man in dieser Intensität wohl nur als Kind erleben kann.

Wer bei diesem 80er-Evergreen nicht nostalgisch (und am Ende auch ein bisschen traurig) wird, kann sich an die Magie der Kindheit wahrscheinlich nicht mehr erinnern. Der einzige andere Film, der diese Stimmung so perfekt einfängt, ist m. E. Steven Spielbergs „E. T.“, der übrigens die zweite große Option in Sachen Lieblingsfilm gewesen wäre.

LIEBLINGSFILME

https://www.youtube.com/watch?v=FUVnfaA-kpI

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