Style first.

Nach dem furiosen Instantkultfilm „Drive“ besteht an einem neuen Nicolas Winding Refn ja immer noch ein gewisses Interesse, zumal der gebürtige Däne den adäquaten Nachfolger bisher schuldig blieb. Und auch dieser Neondämon eignet sich nur bedingt, um den Refn-Hype wieder heraufzubeschwören.

In wuchtige Ikonen zerhackt kommt nun diese surrealistisch aufgeblähte Episode aus dem - ja, ausgerechnet - Modelbusiness daher. Gewalt ist und bleibt auch hier Refns Thema. Was explizite Darstellungen angeht, die Filme wie „Pusher“, „Drive“ und „Only God Forgives“ ausmachten, tritt Refn diesmal etwas auf die Bremse und manövriert sein neuestes Fabrikat eher blutarm auf seinen Höhepunkt zu, den man grotesk oder auch albern nennen könnte.

Überhaupt polarisiert der spezielle Stil von Nicolas Winding Refn ja viel mehr als, sagen wir mal, ein Tarantino, mit dem Refn anfangs gern verglichen wurde (was spätestens nach „Drive“ allerdings nur noch schwer nachvollziehbar ist). Letzterem kann man ja vieles absprechen, aber den Unterhaltungswert eher nicht. Der wird bei diesem Refn hingegen eher klein geschrieben – soll ja schließlich vor allem Kunst sein, und das bedeutet hier: Hochpolierte Oberflächen, symbolgeladene Räume und menschliche Abgründe, zu Tableaus aufgestellt, die in dröhnenden, retrofuturistischen, manchmal an Kubrick erinnernden Sound gewandet immer wieder ganz laut „Guck mal hier!!“ schreien. Und das ist oft ein bisschen zu viel. Zu viel Neon und zu viele Szenen, die für die Erzählung nicht nötig gewesen wären und das Ganze seltsam träge wirken lassen.

Aber was wird denn eigentlich erzählt? - Die Geschichte eines blutjungen, naiven Mädels vom Lande (irgendwie überpräsent: Elle Fanning), das im Haifischbecken, das sich da L.A.s Modewelt nennt, aufs Dekorativste verheizt wird. Und was lernen wir daraus? - Das oberflächliche Geschäft ist schnelllebig, ungerecht, korrumpiert den Charakter und zerstört Körper und Seele. Ach was.

Kratzt man die hyperstilisierte Makulatur und die suggestiven Soundeffekte mal ab, bleibt eigentlich nicht viel mehr übrig als eine etwas mehr als gewohnt entgleiste Folge Germany's Next Topmodel. Und so ist „Neon Demon“ am Ende ironischerweise genau das, was er kritisiert: Ein schöner Schein ohne Sein. Könnte aber natürlich auch ein Stilmittel sein.

The Neon Demon, Nicolas Winding Refn, Drive

https://www.youtube.com/watch?v=CIXY3vPZBKc