Unsere Datenschutzrichtlinien haben sich geändert. Die aktuelle Version finden Sie hier

We have updated our privacy terms. Please review the current version here

Diese Website nutzt Cookies um Inhalte zu personalisieren, Zugriffe zu analysieren und Dir ein optimales Nutzungserlebnis zu ermöglichen. mehr erfahren

This website uses cookies to personalize contents, track site usage and ensure you get the best experience on our website. learn more

Sun Koh: Auf der Suche nach dem Gott der Groschenhefte.

Wenn man sich auf Spurensuche macht, welche Vorbilder denn die neueren deutschen SF-Autoren so in ihrer Jugend hatten, welche Bücher die gerne lasen, dann stösst man relativ bald auf Paul Alfred Müller (alias Freder van Holk alias Lok Myler), der wahre “Pate” der Groschenheftliteratur im Deutschland der 1930er-Jahre. Müller hat im Laufe seines Lebens mehrere hundert Romane verfasst, in allen Genres, von Krimi bis Western,natürlich mit jeweils wechselnden Pseudonymen. Das Genre, in dem er Meister war, und dass er so Hans Dominik damals prägte, war allerdings die utopische Literatur (der Begriff Science Fiction bürgerte sich dafür erst viel später ein), damals wurde das auch “Zukunftsroman” genannt.
Seine grösste Leistung war die Figur des SUN KOH; ein Prinz des versunkenen Atlantis, dessen Aufgabe es in 150 Abenteuern war, das Wiederauftauchen des sagenhaften Kontinents vorzubereiten. Eine schwierige Aufgabe, naturgemäss, denn sinistre Feinde trachteten ihm nach dem Leben, versuchten wertvolle Artefakte zu stehlen und strebten überhaupt nach der Weltherrschaft. Man kann spekulieren, dass SUN KOH eine deutsche Version des in Amerika damals sehr populären DOC SAVAGE, dem “Mann aus Bronze” war, die Ähnlichkeiten beider “Supermänner” sind unübersehbar - auch SUN KOH ist wie dieser von äusserst beeindruckender physischer Erscheinung, unglaublich intelligent (spricht sämtliche Sprachen, die es gibt), ein Meister der Kampfkünste (im ersten SUN KOH-Heft gab es einen Jiu-Jitsu-Kurs zum Mitmachen) und natürlich fähig, mit den kompliziertesten technischen Gerätschaften wie selbstverständlich umzugehen. Überhaupt: Die technische Komponente gefällt mir an den SUN KOH-Romanen am besten: Da befindet man sich in nämlich in einem Universum, welches vor Bubenträumen aus früherer Zeit nur so überquillt: da gibt es Hypnose- und Todesstrahlen aller Art, Tarnkappen, Gedankensender, Energiestrahler und Raketen (wohl beeinflußt durch die Erkenntnisse des damals sehr populären Hermann Oberth) und Müller verbindet das ausserdem mit all den populären, mystischen Theorien die damals vorherrschten - Atlantis, das voller Geheimnisse steckende Tibet, der rätselhafte Orient... Müller geriet leider unweigerlich ins Getriebe der damals die Macht übernehmenden Nationalsozialisten; in den späteren 1930er-Jahren musste er seine Romane an deren Gedankengut anpassen, auch wurden seine Texte von den entsprechenden Kontrollstellen zensiert und abgeändert. Da SUN KOH heutzutage wohl einfach nicht mehr zeitgemäss ist und das auch nie mehr werden wird, ist er vermutlich zu Recht in Vergessenheit geraten. Es bleiben die älteren Sammler, die es sich wohl auch leisten können, Restbestände des Werks aufzukaufen und in ihren Safe zu packen. Und dann gibt es noch so Freaks wie mich, der mit Wonne in diesen zerfallenden, vergilbten Taschenbüchern schmökert und seine Phantasie durch dieses altertümlich-utopische Universum wandern lässt.

Heftromane