Surviving within the crowd...

Ich habe ein Herz für Soziophobiker*innen, ich war nämlich selber mal eine und bin es manchmal immer noch. In der vollen U-Bahn, auf WG-Partys und betrieblichen Weihnachtsfeiern, auf der Reeperbahn nachts um halb eins, auf großen oder seltsamen Veranstaltungen jeder Art fühle ich mich schon mal ein bisschen außerirdisch.

(Zu viele) Menschen, die ich nicht kenne oder mit denen mich nicht viel außer Arbeit verbindet, machen mich nervös. Alkohol und auch Zigaretten können da hilfreich sein, sind aber nicht immer verfügbar bzw. sinnvoll und vielerorts verboten, z.B. meistens am Arbeitsplatz. Daher ist man im Lauf der Zeit gezwungen, andere Strategien zu entwickeln, um sich selbst inmitten von anderen zu ertragen, wenn man viel mit (fremden) Leuten interagieren muss und ja irgendwie auch will.

Den Modus Operandi von Stephan finde ich im Prinzip nicht schlecht. Ähnlich (schreien, hüpfen usw.) wird ja auch in manchen pädagogischen Ausbildungen verfahren, um gewisse Hemmschwellen abzulegen, die im Lehrbetrieb eher hinderlich sind – da spreche ich aus teils verstörender Erfahrung.

Für mich ist die Flucht nach vorne eine ganz praktikable Strategie. Introvertiertheit mit Extrovertiertheit bekämpfen sozusagen. Das funktioniert allerdings nur, wenn man in den entsprechenden Situationen den Blick von innen nach außen lenkt und aufhört, darüber zu nachzudenken, was andere von einem halten (könnten) oder ob man sich gerade aus Versehen irgendwie daneben benimmt. Scheiß auf meinen Fremdkörper und go with the flow oder so.

Wenn die Gedanken allerdings ständig nur um die eigene Präsenz und also darum kreisen, wie man selbst von anderen wahrgenommen wird, leidet das eigene Amüsement mitunter ja doch extrem. Und darum soll's ja schließlich auch irgendwie gehen bei diesen sozialen Events und überhaupt.

Soziale Phobien