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Take Shelter - Im Bunker.

In einer Zeit endloser Endzeitszenarien, die täglich via Fernsehen, Zeitungen und Internet auf uns herabprasseln, muß ich oft an einen Film denken, der sich vor einiger Zeitwie ein tonnenschweres Gewicht auf mich herabgesenkt hat und dem ich auch jetzt noch nicht wirklich entkommen bin. “Take Shelter” erzählt von einem Mann namens Curtis, der mit seiner Frau und seiner taubstummen Tochter in Ohio lebt und sich als Arbeiter bei einer Ölbohrfirma verdingt. Curtis ist ein eher einfach gestrickter, in sich gekehrter Mensch, der Probleme hat: Seit einiger Zeit plagen ihn Visionen eines gewaltigen, möglicherweise alles Leben vernichtenden Sturms; hauptsächlich in seinen Träumen, aber auch am Tag, während der Arbeit. Curtis’ Sorge, dass er verrückt werden könnte, ist nicht unbegründet, ist doch seine Mutter in seinem Alter an Schizophrenie erkrankt. Und trotzdem bleibt auch die Überzeugung, dass sich eben doch eine Katastrophe ereignen könnte, weswegen er einen Container in den Boden versenkt und als Sturmschutzbunker adaptiert.
Natürlich zielt der Film auf die Frage ab, ob Curtis nun ein Visionär oder ein Spinner ist - bis zur Lösung vergehen allerdings zwei bildgewaltige Stunden, die actiongierige Zuseher vermutlich in die Weißglut treiben könnten. In ruhigen, langen Einstellungen rückt Jungregisseur Jeff Nichols seinen Star Michael Shannon in der Rolle des Curtis in den Mittelpunkt einer unwirtlichen Landschaft irgendwo in einem sehr uninteressanten Teil des amerikanischen Kontinents. Dass dabei niemals auch nur der Hauch von Langeweile aufkommt, liegt an der großen Fähigkeit Shannons, den inneren Kampf um das letzte bisschen Realität in einer Existenz, der unaufhaltbar der Boden unter den Füßen weggezogen wird, in einem Realitätsgrad darzustellen, dass einem dabei Angst und Bange wird. Wer schon einmal in seinem Leben Existenzängste, Panikattacken oder eine Angststörung hatte, wird verstehen, was ich meine. Diese Intensität, mit welcher der Schauspieler mit der seltsamsten Filmographie der Welt (Groundhog Day, Pearl Harbour, 8 Mile etc.) die Verzweiflung spüren lässt, die Anstrengung, sich die eigene Integrität zu bewahren, die Zerissenheit zwischen der eigenen Intuition und dem zunehmend feindlich agierenden Umfeld, habe ich bis jetzt nur bei Daniel Day-Lewis in “There will be Blood” erlebt oder vielleicht in der unterdrückten Agressivität eines frühen De Niro oder Pacino. Kein leichter Filmgenuß, aber in der heutigen Zeit aktueller denn je.

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