Tanz der Teufel

Ich hatte den Text schonmal gepostet, mochte ihn aber nicht so, weswegen ich ihn wieder im Keller einschloss und mit Brotresten fütterte. Mittlerweile komme ich klar mit ihm, finde aber, dass er endlich ausziehen sollte. Hier also nun der dritte Streifen, der Sachen mit mir veranstaltete. Und wer AB sagt muss halt auch C sagen:

Wie angedroht nun der letzte Member des Trios Infernal. Ähnlich wie bei "Die Stunde, wenn Dracula kommt" war die erste Begegnung keine sonderlich erfreuliche. Ich plaudere ja lieber über das Wie und überlasse das Was anderen. Am Schluss werde ich aber doch ein paar subjektive Dinge in den objektiven Schein des Faktischen zwängen, um dem nun anstehenden Kaffeekränzchen ein wenig mehr Gewicht zu verleihen.

"Überspiel mir zwei g'scheite Horrorfilme...", ließ ich Mitte der 80er dem Kumpel von 'nem Kumpel ausrichten. "Überspielen", das war das Copy&Paste der medialen Vorzeit und man musste über den Luxus von zwei Videorekordern verfügen. Er hielt sich womöglich für komisch, denn der erste "g'scheite Horrorfilm", den er auf's Magnetband zerrte, war "Eine Leiche zum Dessert" mit mindestens Peter Sellers, aber auch anderen bekannten Titanen der Filmgeschichte. Ich liebte den Streifen bereits und fühlte mich veräppelt. Ernüchtert warf ich einen Blick auf den Anfang des zweiten Machwerks. Nach fünf Minuten brach ich ab, weil ich vermochte nichts zu erkennen. Durch zu häufiges Weiterkopieren dieses damals höchst verbotenen Kunstwerks beschränkten sich die Filmfarben meist auf räudiges Orange oder toxisches Grün. Und je dunkler das Bild war, desto wackeliger die Konturen. Also verzichtete ich vorerst auf das Vergnügen und es dauerte noch ein paar Tage, bis ich ungenügend Sinnvolles zu tun hatte und die Kassette wieder in den "Monolithen" stopfte.

Gut anderthalb Stunden später saß ich dann noch immer da und starrte reglos auf das Videorauschen, der Film war schon eine ganze Weile vorbei. Und meine Garantiezeit auch...! Bis dahin hatte ich noch nichtmal gewusst, was Splatter ist. Ich zählte den "Weißen Hai 3D" bereits zu den härtesten Filmen, die ich bis dato kannte. Und dann das! Völlig frei also von Verständnis für ein Produkt dieser Sorte und zugehörigem unabdingbaren Humor fühlte ich mich regelrecht vergewaltigt und hockte wohl innerlich in der mentalen Duschkabine, die Arme schluchzend um die Beine geschlungen. In der Außenwelt saß ich da und glotzte stoisch schweigsam in den Fernseher. Ich weiß dann nur noch, dass ich mir anschließend eine Folge "Die Profis" ansah, doch das gerade (üb)erlebte Trauma blutete fortan in alles hinein. Das sollte ein paar Monate anhalten. Ich sah den Film noch zweimal unmittelbar in Folge mit Klassenkameraden, weil mir nach Verbündeten war und dann vernichtete ich das ruchlose Tape.

Als dann "Tanz der Teufel 2" in die Kinos kam war ich etwas weiter und ich konnte es nichtsdestotrotz kaum fassen, dass dieses Werk eine Fortsetzung bekam, hielt ich den Vorgänger nach wie vor für fragwürdig und wähnte seine Verursacher entweder im Knast oder in der geschlossenen Abteilung für gemeingefährliche Zelluloid-Verbrecher. Und die Kritiken waren allesamt auch noch ziemlich euphorisch. Sofort war damit mein Interesse wieder entflammt. Noch bevor ich es schaffte mich zu Teil 2 ins Kino zu stehlen, ich war noch immer nicht volljährig, besorgte ich mir eine bessere Kopie des ersten Teils. Und wie ich das inzwischen gut von mir kenne, wurde aus namenloser Abneigung riesengroße Liebe.

Mittlerweile zähle ich sämtliche am Film Beteiligte quasi zur Familie. Ich fühle mich wohl in ihrer Gesellschaft. Raimi & Co. blickten, als sie TdT machten, bereits auf viele Jahre engagiertes Hobbyfilmen zurück, in denen sie vorwiegend Slapstick-Komödien im Spirit der drei Stooges fabrizierten. Man kann einiges davon noch auf YouTube finden! Und dieser Geist durchweht auch TdT. Das mag nicht jedem sofort einleuchten. Mein jüngeres Selbst jedenfalls nahm ihn seinerzeit bierernst und erst seine deutlich komödiantischere Fortsetzung öffnete meinen Blick für die derbe Komik des Vorgängers.

Ash (Campbell) ist hier der klassische tragische Tollpatsch/Hero, der metertief in den Schlamassel gerät und doch am Schluss heldenhaft obsiegt. Oder doch nicht...? Über die Hirn-Torte ins Gesicht konnte er jedenfalls nicht recht lachen. Ich unlängst schon. Das Martyrium des Ash ist aberwitzig grimmig und der Splatter für seine Zeit grotesk. Was der Streifen allerdings mit seinem lächerlichen Budget und widrigsten Drehbedingungen an plakativer Horror-Atmo auf die Leinwand bannt ist umwerfend und bemerkenswert. Schon die Tonspur allein verdient das geplatzte Trommelfell in Gold. Die ehrgeizigen Splattereinlagen bestehen zum Teil aus Stopmotion-Effekten, die manchmal sogar mit realen Szenen in einer Einstellung effektiv kombiniert werden. Sam Raimi, oder wie ihn seine alten Kumpels Joel und Ethan Coen nennen: "Sam the Cam", turnte zuweilen halsbrecherisch mit der Kamera durch die Gegend und drückte TdT seinen unverkennbaren stilistischen Stempel auf. Das ist einer der handgemachtesten Horrorfilme, den ich kenne, der zu einem absoluten modernen Klassiker des Genres avancierte. Im Prinzip handelt es sich um einen selbstverbrochenen Studentenfilm, der vor technischen Ideen und jugendlichem Elan nur so strotzt. Die Handlung freilich ist dünn und voller Löcher, aber ist das immer wichtig? Kommt eben darauf an. Hier liegen die Schauwerte klar woanders. Ich liebe alle Teile aus der Reihe, aber der erste wird für mich immer besonders bemerkenswert bleiben. Im TV geht's ja demnächst weiter. Besser als nix. Kanda!

LIEBLINGSFILME

https://youtu.be/S7hlOJZ_lTg

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