Techno ist langweilig

Techno ist stumpf, aggressiv und langweilig. Das hört sich an wie die Aussage von jemandem, der nichts mit der Musik am Hut hat, aber dies behauptet sinngemäß niemand geringeres als der amerikanische DJ und Produzent Levon Vincent in einer Facebook-Statusmeldung, die auf großes Interesse gestoßen ist und andere prominente Djs/Produzenten wie Kink und Steve Bug zu Kommentaren veranlasst hat. Levon Vincents Äußerung bezieht sich dabei auf aktuelle Produktionen: „Techno has never reminded me so much of heavy metal as todays' era. […] Just angst/ angry music? Im bored.“ Er vermisse die Einflüsse von Jazz, afro-cubanische Rhythmen und allgemein die Eigenschaft unterschiedlichste musikalische Traditionen aufzunehmen und zu nutzen.
Zu hart, zu aggressiv, zu monoton, zu wenig Jazz, Mangel an rhythmischer Komplexität und an Funk? Dann hör doch House, denke ich in einem ersten Reflex, dort sind diese Eigenschaften traditionell stärker vertreten als im Techno. Aber vielleicht ist es nicht so einfach. Nicht umsonst spricht man bei den Anfängen des Detroit Techno von „Machine Funk“. Ist da also etwas dran an dem Vorwurf, den Levon Vincent dem aktuellen Technosound macht? Hat diese musikalische Verengung vielleicht etwas mit dem Erfolg des „deutschen Techno“ zu tun, der seit Jahren hauptsächlich unter dem Label “Berghain-Techno“ weltweit Erfolge feiert und eventuell die kritisierten Kriterien erfüllt? Vielleicht ist es ein Stiltrend, der seine Sättigung erreicht hat, aber noch immer von Produzenten gezielt adaptiert wird, da er populär ist? Das würde Levon Vincents Überdruss erklären und meiner Meinung nach auch rechtfertigen. Gut, dass erfolgreiche und erfahrene Leute in der Szene sich eine kritische Meinung erlauben und so diese Musikkultur lebendig halten. Auch wenn ich denke, dass in dem Genre Techno eine so große Diversität herrscht, dass von einem Hype keine Gefahr für die Musik ausgeht.

Levon Vincent

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