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Tentacle Death Trip.

Vroom! Vroooom! Das Wunderbare am Bizarro-Genre ist ja, dass da Knöpfe gedrückt werden, die normal in der Literatur gar keine Beachtung finden, weil vielleicht zu banal? Das Kind in mir will aber spielen, immer, auch beim Lesen. Das Buch "Tentacle Death Trip" von Jordan Krall (bei Eraserhead Press erschienen) zum Beispiel drückt meine Lieblingsbuttons "Auto-Rennen", "Apocalypse" und "Cthulhu-Mythos" und hat mir dadurch ein geniales Leseerlebnis verschafft. Schon die Inhaltsangabe macht voll die gute Laune: In einer hoffnungslos verstrahlten und zugemüllten Todeswelt veranstaltet Obergangster Mr. Silver sogenannte Death-Races, in denen aufgerüstete Klapperkisten samt ihren nicht immer ganz humanen Fahrern durch verseuchte Todeszonen brettern und alles niedermähen, was sich ihren knatternden Geschossen in den Weg stellt: Irre gewordene Christen zum Beispiel, welche die "Fleischwerdung" ihrer religiösen Dogmen wörtlich nehmen und zu Kannibalen mutiert sind; oder Wesen, die ihre abgefaulten Organe aufgrund der allseits grassierenden Strahlenkrankheit mit irgendwelchen Teilen aus Schrott ersetzt haben. Der Preis des Rennens scheint gigantisch: Kürzlich ist eine mysteriöse Stadt namens R'lyeh aus dem Ozean aufgetaucht - dort darf man dann als Sieger leben und das Leben genießen, das behauptet zumindest Mr. Silver. Nicht die einzige Mythos-Anspielung übrigens, es geht (natürlich!) auch um mysteriöse Bücher mit fantasievollen Namen wie "Eidolik Podalik" oder "Abgrund Abschaum". Und um Tentakel. Jede Menge Tentakel. Dass Jordan Krall seinen Lovecraft gelesen und verinnerlicht hat, weiß man schon seit seiner 2008 erschienenen Kurzgeschichtensammlung "Squid Pulp Blues" oder der Anthologie "Nightmares from a Lovecraftian Mind". "Tentacle Death Trip" allerdings auf ein weiteres Mythosbuch zu reduzieren, wäre aber ein Fehler, weil Krall (ähnlich wie Carlton Mellick III) mit einer dermaßen überbordenden Fantasie ausgestattet ist, dass es noch jede Menge anderer Genrereferenzen zu entdecken gibt. Im Gegensatz zu Mellick ist Krall allerdings weniger abgehoben und macht es so der Fantasie leichter, sich ihr eigenes Universum zu bauen. Nicht nur deswegen ist "Tentacle Death Race" auch für Bizarro-Einsteiger zu empfehlen; der Gore-Grad ist auch nicht ganz so heftig ausgefallen. Natürlich gibt es Unfälle, Morde und Vergewaltigungen, wie man das von einer postapokalyptischen Welt schließlich auch erwarten darf - im Gegensatz zu den magenverdrehenden Gewalt- und Sex-Beschreibungen eines Edward Lee oder Wrath James White weidet sich Krall allerdings nicht seitenweise daran. Er kommt auf den Punkt und dieser Punkt ist: Geschwindigkeit. So rast der Leser mit dem gleichen Speed durch das Buch wie die Fahrer auf ihren verrotteten Rennstrecken.

Jordan Krall