The Hateful Eight

Dies ist kein Review. Das kann ich nur schlecht und so kurz nach Sichtung sowieso nicht. Einfach nur ein paar chaotische Gedanken.

Ich bin lange nicht mehr im Theater gewesen und wusste im Vorfeld nicht viel über Tarantinos neuesten Streich. Ich kannte lediglich den Trailer. Dass es ein Kammerspiel werden würde ahnte ich deshalb schon und nach seinem opulenten "Django" war das in meinen Augen die richtige Entscheidung. Klein, schmutzig, verschneit. Wenn schon wieder ein Western, dann völlig anders. Kurz, der Film hat mich in den Kinosessel genagelt. Ich war keine Sekunde gelangweilt, klebte an den Lippen der Protagonisten und fühlte mich ganz hervorragend unterhalten. Hier hat der Regisseur mehr oder weniger Stoff für die Theaterbühne abgeliefert. Würde mich gar nicht wundern, wenn es hiervon irgendwann tatsächlich entsprechende Umsetzungen gäbe.

Der Gabentisch mag also diesmal kleiner anmuten, aber er biegt sich unter der Last der Schmankerl, die Tarantino auffährt. Von derber Komik, über relativ heftige Splattereinlagen, bis hin zu einem sorgfältig ausgedachten Pulp-Plot und einem freudig spielenden Ensemble wird der Zuschauer tüchtig bedient. Nur halt eben etwas glanzloser als beim "Django".

Denn es is Winter in dem Film. Es ist verdammt kalt draußen und in den Herzen des verschlagenen Haufens, der in einer kleinen Hütte Zuflucht vor dem Kältetod sucht. Man muss sich schnell arrangieren, Verbündete finden, das Überleben sichern. Das ist natürlich nicht so einfach, wenn mancher nicht das ist, was er vorgibt zu sein.

Mir gefiel dieser Western ein Stückchen besser als Tarantinos "Django", weil ich eh eher dem B-Movie zuneige und Großes  schätze, das mit einfachen Mitteln realisiert wird. Dinge, die nicht mit Geld, sondern mit Ideen bezahlt werden. Mit Schauspielkunst, Inszenierung und kleinen, wohl kalkulierten Frechheiten. Dieser Film ist völlig anders, als sein Vorgänger. Passenderweise wurde Kurt Russel engagiert, denn ein bisschen ist "TH8" auch ein Remake von Carpenters "The Thing". Carpenter ist einer meiner Lieblingsregiesseure nebenbei bemerkt, bei dem ich die kleineren Produktionen ebenfalls den großen vorziehe. Jemand der einst gekonnt schmale Budgets fabelhaft zu umschiffen wusste.

Der gesamte Cast ist super, ich habe mein Herz einmal mehr an Jennifer Jason Leigh verloren. Auch wenn sie hier hässlich anzuschauen ist (eine wirkliche Schönheit war sie sowieso nie), ist sie ziemlich anziehend. Und sie ist so gut in diesem furiosen Machwerk. Hervorheben möchte ich auch Walton Goggins in der Rolle des angehenden Sheriffs Mannix. Als hätte man ihn mit einer Zeitmaschine aus einem uralten S/W-Western geklaut und mit Guliano Gemma gekreuzt. Selten hat mich ein Typ ob seiner Lächerlichkeit mehr amüsiert und mich dann doch auf seine Seite gezogen zum Ende hin.
Was soll ich noch lange unqualifiziert schwallen? "TH8" hat mich voll gekriegt, ob zuecht oder nicht, das können andere vielleicht besser beurteilen. Ist mir dann aber auch Schnuppe, wenn sie anderer Meinung sind. Jedenfalls hat Tarantino einmal mehr gezeigt, dass er unberechenbar bleibt und selbst mit einem kleinen klaustrophobischen Setting großes Kino zu machen versteht. Und wie immer ist alles natürlich Geschmacksache.

(Gesehen habe ich den Film im Original mit Untertiteln.)

Quentin Tarantino

https://youtu.be/gnRbXn4-Yis

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