Tote tragen keine Karos

Wurde mal wieder Zeit für einen meiner Lieblingsfilme, den ich lange nicht mehr gesehen habe. Und er ließ mich einmal mehr geflasht zurück. Der Film Noir ist neben Horror alten Schlages sicher eines meiner liebsten Genres. Film sah für mich nie ansprechender aus, wie zu jenen Zeiten, als der deutsche expressionistische Stummfilm so quasi nach Amerika auswanderte, um dem Film Noir sein prächtiges Gewand überzuwerfen. Ich bin mit alten Filmen aufgewachsen. Zu meiner Kindheit bestimmten die noch das Abend- und Nachtprogramm der drei Sender, die es für uns Normalsterbliche seinerzeit gab. Klassiker, schwarzweiß oder in klassischem Technicolor, zeigten uns eine andere Welt, die aber ein vertrauter Bestandteil unseres regelmäßigen Eskapismus war, und ihre Licht- und Farbpalette unseren Träumen entlehnten, mit Geschichten, die noch übersichtlich genug waren, um sofort ins Blut zu gehen, und mit einer Bildsprache, die ganz elegant Wesentliches auf den Punkt brachte. Man wurde angesaugt und schließlich aufgesaugt. Es reichte oft schon nur in diese Bogart- und Bette Davis-Gesichter zu schauen und man tauchte ein oder ab.

Für mich sind diese Werke Tickets in Welten absoluter Geborgenheit. Ein Teil meiner Kindheit wohnt noch immer dort und ich bin mir nicht ganz sicher, wie Menschen mit einer parodistischen Liebeserklärung an diese Filme umgehen, wenn sie weder mit Ästhetik noch Visagen dieser Ära vertraut sind. Würde mich mal interessieren, wie deren Rezeption so ist.

"Tote tragen keine Karos", mit einem unwerfenden Steve Martin in der Hauptrolle, gelingt es so unverschämt gut, durch die Themen und Motive dieser Gattung zu marodieren, unter Verwendung vieler Originalfilmschnipsel, dabei entlarvend komisch zu sein und doch sein Sujet niemals zu verunglimpfen. Eine Meisterleistung findiger Flickschusterei, bei der die Komik oft auch erst im Rückwärtsgang zündet, wenn einem rückwirkend klar wird, weshalb Progatonisten in einer vorherigen Szene so komische Sachen gesagt, verlangt oder getan haben, weil darauffolgende Originalszenen so erst schlüssig eingefügt werden konnten. Der Streifen sieht dabei unverschämt gut und stimmig aus, dass man glauben könnte, es sei tatsächlich ein alter Marlowe-Thriller, wären da nicht die zum Teil brüllend und auch mal leisen komischen Momente, die seine modernere Herkunft verraten. Steve Martin war nie besser.

Wer ein Fan alten Hollywoods ist, wird sich hier äußerst wohl fühlen und viel zu lachen und mit der Zunge zu schnalzen haben. Von führenden Reinemachefrauen empfohlen! Reinemachefrau…?? REINEMACHEFRAU…?!!

Parodien

https://youtu.be/x2efDnLZjsk