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Tschüss, Dirk! War schön mit Dir!

Basketball und Deutschland – eine Liebesgeschichte war das noch nie. Klar schafften es Deutsche schon in den 80ern in die NBA. Klar war mit Detlef Schrempf einer dabei, der zu einem Star wurde und dem Sport zu mehr Popularität verhalf. Klar bejubelte das deutsche Publikum im Sommer 1993 eine deutsche Mannschaft beim legendären Heim-EM-Sieg (übrigens ohne Schrempf!) – und klar, dass der unglaubliche Hype um Michael Jordan auch hier an Kiddies und Teens nicht vorbei ging. Trotzdem blieb Basketball immer eine Randnotiz, höchstens drittbeliebteste Ballsportart nach Fuß- und Handball, und für viele vielleicht auch zu amerikanisch, zu viel Turnschuh und zu wenig Würstchen und Bier.

Bis dann Ende der 90er ein junger Mann aus Würzburg auf sich aufmerksam machte. Red Auerbach, Coach-Legende aus Boston, sagte einmal: „You can’t teach height“ – und Dirk Nowitzki war nicht nur 213 cm groß, sondern auch äußerst bewegungs- und wurfbegabt. Ein Produkt seines besonderen Trainings: Woanders hätte man dem blonden Riesen eingebläut, unterm Korb zu parken und die rumfliegenden Bälle zu fangen. In der bayrischen Provinz konnte der leicht verrückte Trainer Holger Geschwindner mit dem lernhungrigen Nowitzki ausprobieren, was er wollte – und er machte ihn zu einem der Besten der Welt.

Die individuelle Stärke eines Spielers ist mit Statistiken – im Basketball sehr beliebt – nicht immer zu vermitteln. Nowitzki traf viele seiner Würfe (in seinen besten Jahren 50% vom Feld, 40% Dreier und 90% Freiwürfe), machte jahrelang 25 Punkte und fast 10 Rebounds pro Spiel und führte die Dallas Mavericks 2007 zu 67 Siegen in 82 Spielen – eine unglaubliche Zahl. Viel signifikanter ist aber, dass Dirk eine Position neu definierte: Der große Mann, der nicht nur innen agiert, sondern Räume schafft, aus der Distanz trifft, sich alle Offensiv-Optionen offenhält. Seine Größe, seine Technik und der berühmte „Flamingo-Wurf“ machten ihn zu einem der gefährlichsten Spieler seiner Zeit.

Und wie die Besten hat Nowitzki die Mavericks gelenkt – wie Bird, Jordan oder Lebron kann Dirk zu einem Monster werden, das scheinbar rein mit mentaler Kraft ein Spiel entscheidet. So gewann er mit Dallas 2011 gegen die vermeintlich übermächtigen Miami Heat den NBA-Titel, und so führte er auch eine deutsche Mannschaft zum EM-Silber 2005 und WM-Bronze 2002 – beides sensationelle Ergebnisse, beide Male war Nowitzki der beste Spieler des Turniers.

Nun ist in der letzte Woche Deutschland aus der EM geflogen – die Gruppe mit den Basketball-Hochburgen Serbien, Spanien, Italien und der Türkei war zu stark. Gegen Italien saß ich in der Mercedes-Arena in Berlin und sah einen Dirk, der in mir wechselhafte Gefühle auslöste. Hin und wieder blitzte das Offensiv-Genie auf, die sichere Bank für zwei Punkte – egal, wann, gegen wen oder von wo. Der Unaufhaltbare. Manchmal jedoch zeigte sich mir und 13.000 anderen ein etwas schwerfälliger, 37-jähriger Veteran, der zu wenig traf, zu langsam in der Verteidigung war und zu oft „der Große unter dem Korb“ sein musste – unnatürlich für ihn, der gerne mit etwas Freiheit agiert.

Kein perfektes Ende für Dirks Länderspiel-Abschied, aber noch ein würdiger. Ähnliches erwartet ihn wohl in der NBA: Jahrelang gehörten seine Dallas Mavericks zu den besten Mannschaften der Liga. Ohne echte Stars dürfte die kommende Saison jedoch eher mittelmäßig verlaufen, und dann wird sich zeigen, ob „The German Wunderkind“ Lust hat, seinen Vertrag bis Mitte 2017 zu erfüllen – oder 2016 schon in die verdiente Rente zu gehen.

Ich werde ihn vermissen! Dirk war und ist die perfekte Identifikationsfigur: Bodenständig, ein Teamspieler, von Charakterschwächen scheinbar seltsam frei. Wir sollten uns bei ihm bedanken für die gute Unterhaltung und für die gute Publicity für einen wunderbaren Sport. Wir sollten außerdem trotzdem die Augen gen USA richten und den wohl derzeit besten deutschen Spieler beobachten: Dennis Schröder, im dritten Jahr bei den Atlanta Hawks, der in ein paar Jahren fast garantiert ein Star sein wird.

Dirk Nowitzki

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