Veganosophie. Das Gedankenspiel "Fleisch und Blut".

Aufgrund meiner Lebensumstände, sowie traumatischer Kindheitserfahrungen, im Bezug auf den Verzehr von Fleisch, lebte ich viele Jahre als Vegetarier. Im Laufe der Zeit erschien mir jedoch die Idee des Veganismus interessanter und plausibler. Solange ich Eier- und Milchprodukte im Nahrungsspektrum habe, fördere ich selbst als Vegetarier das Leiden der Tiere. Mir wurde klar, dass der Veganismus die einzig vernünftige Entscheidung für mich sein konnte.
Weitere Jahre vergingen und der neue Weg war mir inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen.
Plötzlich, aus dem Nichts, verspürte ich einen Appetit, der mir inzwischen unbekannt geworden war. Appetit auf Tierisches, wie Fisch und Hühnchen. Es war gruselig, denn der Gedanke daran lies mich nicht mehr los, bis ich ihm letztlich nachgegeben habe. Fortan gehörte Fisch wieder auf meinen Speiseplan. Mit jedem Bissen verflog meine eigene Moral, meine Ethik und mein emotionales Gefüge von der Liebe zum Tier. Nach und nach entschwand der vegane Gedanke. Fast täglich probierte ich neue, tierische Produkte aus. Ich entdeckte eine alte, neue Welt.
Mit jedem Bissen, projezieren sich noch heute die schrecklichen Bilder der Massentierhaltung, des Leidens und der Schlachtung auf mein inneres Auge. Ich denke nach, stelle mir Fragen. Eine Veganosophie brach los.
Ein wichtiger Aspekt hierbei ist eine chronische Erkrankung, an der ich nunmehr seit 10 Jahren leide. Ich nehme Tabletten, die letztlich in Tierversuchslabors hinsichtlich ihrer Tauglichkeit getestet wurden. Ich trage Implantate, die derzeit an kleinen unschuldigen Kälbchen für medizinische Experimente genutzt werden, um den Fortschritt voranzutreiben, auf den ich so dringend angewiesen bin. Ohne diese Versuche gäbe es mich schließlich schon lange nicht mehr.
Was bin ich für ein Mensch, aus Fleisch und Blut, der gleiches vergießt, um seines zu erhalten?
Ich werde niemals wirklich frei sein, denn dieses Spiel in meinem Kopf wird niemals enden.

Veganismus

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