Villalobos „in the Park“ – mieses Set oder fieses Publikum?

Vielleicht war das Set wirklich nicht besonders gut, vielleicht hatte er einen schlechten Tag, beurteilen kann ich Ricardo Villalobos Performance auf dem „Cocoon in the Park“ Festival nicht, ohne selbst vor Ort gewesen zu sein. Was ich aber beurteilen, bzw. verurteilen kann, sind die zahlreichen Reaktionen, die man zu Villalobos Auftritt im Netz findet. Purer Hass und Ekel werden über den DJ ausgeschüttet, von argumentativer Kritik keine Spur, ein Shitstorm in reinster Form. Das Video des Sets dokumentiert einen Sound, für den Villalobos bekannt und geschätzt ist: langatmige, groovige, verspulte, reduzierte Housemusik, kein stumpfes Geballer, keine vorhersehbaren, effektüberladenen Breaks, keine rein funktionale EDM. Er macht zugegebenermaßen einen verpeilten Eindruck, aber auch das ist nichts ungewöhnliches und Villalobos bestreitet wohl den größten Teil seiner Sets in diesem Zustand. Ricardo Villalobos ist, was die Musik angeht, kompromisslos. Er macht sein Ding und schert sich wenig um die Meinung eines Publikums, er ist mehr Künstler als Dienstleister. Keine Aktivität in sozialen Netzwerken, kaum Interviews, keine Promotion, sperrige Eigenproduktionen, das kann polarisieren, aber dafür wird er in der Szene respektiert. Seinen Ruf, als einer der besten DJs der Welt, hat er sich über viele Jahre hart erspielt. Wenn ich mir die Facebook-Kommentare durchlese, kommt mir der Verdacht, dass vielleicht gar nicht der DJ so schlecht war sondern das Publikum oder vielleicht bekommt manchmal das Publikum einfach die Leistung, die es verdient.

Ricardo Villalobos Shit­storm

https://news.beatport.com/check-out-the-villalobos-set-that-ruined-cocoon-in-the-park/