Wall Street: Pop meets Sozialkritik

Was habe ich mit Yuppies zu tun? Rein gar nichts. Ökonomie, BWL, Börse – ich weiß, dass das alles seine Relevanz hat, aber ich kann nicht sagen, dass ich großes Interesse hätte. Ich stehe nicht auf teure Zigarren, Armani-Anzüge oder neue In-Restaurants. Was habe ich also mit Yuppies zu tun? Anscheinend nur, dass, „Wall Street“ von 1987 mein Lieblingsfilm ist.

Kurze Plot-Übersicht: Bud Fox (Charlie Sheen) ist ein hungriger junger Broker mit Working Class-Hintergrund in New York, der unbedingt für Wall Street-Guru Gordon Gekko (Michael Douglas) arbeiten möchte. Mit einem unmoralischen Trick gelingt ihm der Kontakt – nur merkt er, dass ein solches Verhalten in den Kreisen der Börsen-„Großwildjäger“ eher die Norm als eine Ausnahme ist.

Regisseur Oliver Stone schafft es, diesem Plot scheinbar mühelos große, schwere Themen einzuweben – soziale und gesellschaftliche Identität, Familie, Ethik, das Streben nach Erfolg und nicht zuletzt ökonomisches Gleichgewicht und soziale Gerechtigkeit werden behandelt. Nicht ohne Grund galt Stone in den 80er Jahren als der Meister der linken Sozialkritiker in Hollywood.

Trotzdem ist der Film keine spaßlose Moralkeule, anders als der misslungene Neuaufguss „Wall Street – Money Never Sleeps“ von 2010. Aufstieg und Fall von Bud Fox schlagen einen perfekten Bogen, den man mit Lust verfolgt, während die glitzernden Hochhäuser und Sonnenaufgänge am Atlantik über den Schirm huschen.

Oliver Stone nahm dieses Projekt in Angriff, direkt nachdem er für „Platoon“ den Oscar gewonnen hatte, der Film, der auch Charlie Sheen berühmt machte. Von Amerikas Alptraum Vietnam ins Herz des westlichen Kapitalismus: Stone sah darin keinen Gegensatz. Kern beider Filme ist die Frage nach Ethik im Kampf ums Überleben – in anderen Umständen, mit anderen Voraussetzungen, aber mit vergleichbaren Auswirkungen auf die „human condition“.

Ein großer Film, wie einer der berühmten amerikanischen Romane, der auf der Grenze zwischen Pop, Dramatik und sozialkritischen Abhandlung balanciert und einen schwer zu benennenden Eindruck hinterlässt. Katharsis jedenfalls setzt nicht ein – so einfach macht es Oliver Stone dem Publikum nicht.

LIEBLINGSFILME

https://www.youtube.com/watch?v=FCctqbRrsBQ