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Warum Batterien das höchste Gut meiner Kindheit waren.

Viele lesenden Eltern hätten gerne, dass ihre Kinder auch lesen. Und sie kaufen ihnen viele, viele Bücher, lesen vor, arbeiten an ihrer Vorbildwirkung. Obwohl meine Eltern meine keimende Leselust mit eben jenen Tätigkeiten bewusst unterstützten, war es aber die süße Heimlichkeit, die mich endgültig zu einer Leseratte par excellence werden ließ.
Die wertvollsten Dinge, die man beim Kaufhaus im Ort kaufen konnte, waren für mich Batterien und Isolierband. Konnte ich mir das Isolierband von den 20 Schilling Taschengeld die Woche gut leisten, so wurde es mit dem etwa alle 14 Tage fälligen 4er-Pack AA-Batterien schon ein wenig kniffliger. Aber nichts ging damals über das Gefühl von frischen Batterien in meiner kleinen, gelben Taschenlampe. Solange die Batterien noch voll waren, sorgte der helle Schein im Bett für einige Stunden des Lesevergnügens noch lange nach der Schlafenszeit und das Isolierband wiederum dafür, dass mein Schlüsselloch keinen Schimmer Licht nach draußen ließ, der meine Mutter, die sich auf Zehenspitzen anschlich, um zu kontrollieren, ob ich eh schlafe, erahnen hätte lassen, dass ich die Nachtstunden für die Welt der Bücher opferte. Der immer schwächer werdende Lichtkegel bei sich entleerenden Batterien wurde von mir bis zum letzten Aufflackern meiner Funzel ausgenutzt und ist heute wahrscheinlich mit verantwortlich dafür, dass ich eine Brille trage. Aber ich musste mir meine Batterien selber kaufen, meine Eltern durften ja nichts davon erfahren, dass mein Tiger-Wecker mit Ohren oft schon weit nach Mitternacht anzeigte, wenn ich endlich das Buch weglegte. Tatsächlich habe ich manchmal sogar nur einige Stunden geschlafen, um um vier Uhr morgens mein Buch aufzuschlagen, wenn niemand mehr wach war und mich stören konnte.

Aber genau jene Momente meiner Kindheit waren es, die mich zur Leseratte werden ließen. Als unverbesserlicher Freiheitsjunkie wäre es furchtbar gewesen, hätte ich mir die Lesezeit nicht "erschleichen" müssen. Und so wurden die durchlesenen Nächte zu Momenten meines Kinderdaseins, die im eng gesteckten Rahmen der Möglichkeiten, die man als Sechsjährige eben hat, die pure Freiheit bedeuteten. Ich hätte mich damals jedenfalls niemals mit gutgemeinter Motivation zum Lesen so entwickelt.

Kinder- und Jugendliteratur