Warum kommen so viele Männer ohne ihre Familie? Teil 3a: Also ich würde meine Familie ja nicht irgendwo allein lassen (Kosten)

Brief von einer besorgten Familie (Auszug):
„[…] Wir leben in einer Gesellschaft, wo Männer ihre Familien beschützen, sie verteidigen und sie nicht irgendwo allein lassen (sollten). Der berühmte "Kapitän" verlässt als letzter das sinkende Schiff. Das ist unsere Vorstellung von Verantwortung. […]“

Brief an eine besorgte Familie, den ich wohl gar nicht absenden werde (Auszug):
Die Kosten für die Flucht können die meisten Flüchtlinge ohnehin kaum aufbringen. Wir bleiben in Syrien, unserem Beispiel aus Teil 1, und berücksichtigen, dass die syrische Währung bis November 2015 ca. 80 % ihres Wertes verloren hat . Das heißt also, dass ein Familienvater sein Häuschen in einem Vorort von Damaskus, das vor fünf Jahren noch 100.000 USD wert war, heute nur noch für ca. 20.000 USD verkaufen könnte, um die Flucht seiner Familie zu organisieren. Aber selbst, wenn das Haus bisher unversehrt geblieben wäre, würde er schwerlich einen Käufer finden, der ihm das Haus für diesen Betrag abkauft. Am Ende muss er also wahrscheinlich an einen regimetreuen „Geschäftsmann“ verkaufen , der ihm noch 5.000 USD gibt (und im Zweifel direkt im Anschluss die Regierung darüber informiert, dass unser Familienvater sich vor seiner Wehrpflicht drücken will, auf dieses Thema gehe ich an anderer Stelle genauer ein).

Die Geburtenrate in Syrien lag vor dem Krieg bei ca. 3 Geburten pro Frau, wir gehen aber angesichts der aktuellen Situation in Damaskus mal davon aus, dass bereits ein Kind bei einem Angriff des IS (oder der „Rebellen“ oder der syrischen Armee) ums Leben gekommen ist. Es bleiben aber immer noch mindestens vier Personen, die jetzt endgültig kein Zuhause mehr haben, wahrscheinlich bereits vom Militär beobachtet werden und wirklich dringend das Land verlassen müssen. Zwar gibt es keine Prospekte oder Preislisten, aber allein die Überfahrt von der Türkei nach Griechenland kostet pro Person (je nach Quelle) zwischen 1.100 und 1.300 USD.

Jetzt stellt sich also nur noch die Frage: wie (und vor allem in wen) investieren wir die 5.000 USD? Wir denken darüber nach und warten auf Teil 3b.

Briefe an eine besorgte Familie

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