Warum kommen so viele Männer ohne ihre Familie? Teil 4: Außerdem sollten die Männer für ihr Land kämpfen

Um diesen Teil unserer Ausgangsfrage zu erklären, muss man zuerst gedanklich zwischen den Begriffen Krieg und Bürgerkrieg unterscheiden. Dieser Text widmet sich nicht dem „Krieg“ als Konflikt zwischen Staaten, denn die meisten Flüchtlinge, die heute zu uns kommen, kommen aus Ländern, in denen ein Konflikt innerhalb eines Staates herrscht. Diese Art von Konflikt nennt man Bürgerkrieg, manchmal hört und liest man auch den Begriff „Bruderkrieg“. Und mit diesem Begriff erklärt sich die „Kriegsscheu“ der jungen Männer fast von selbst.

In Syrien müssen wehrfähige Männer in Assads Truppen kämpfen, der aber mit seinen Truppen schon viele (zehn)tausend Syrer (auch Zivilisten) getötet hat. Ein Soldat dieser Armee muss also damit rechnen, dass er im Einsatz früher oder später seine Freunde oder seine Familie verletzen oder töten wird.

Warum kämpfen sie dann nicht gegen Assad? Als lupenreine Demokraten dürfen wir zu allererst nicht vergessen, dass Assads Regierung demokratisch gewählt wurde, daher ist diese Frage per se schon kaum zu beantworten. Wer dennoch gegen Assad kämpft, muss (wie in der syrischen Armee) damit rechnen, dass er im Einsatz früher oder später seine Freunde oder seine Familie verletzen oder töten wird, die von Assads Regime oder von Kämpfern einer der zahllosen anderen Widerstandsgruppe oder gar vom „Islamischen Staat“ zwangsrekrutiert wurden.

Natürlich spielen auch die Eingriffe unbeteiligter Staaten eine Rolle. Da diese Staaten zumeist jedoch aus sicherer Entfernung angreifen, ist es selbst den tapfersten, kampfeslustigsten Männern nicht möglich, ihre Familien direkt gegen diese zusätzlichen Bedrohungen zu verteidigen. Wenn man also nach tapferen Männern sucht, die für ihr Land oder zumindest gegen die Angreifer ihres Landes kämpfen, so müssen diese ja den Weg zu ihren Angreifern finden. Die nennt man dann aber Terroristen (weil sie Menschen in einem fremden Land mit Waffen bekämpfen, die das Land des tapferen Kämpfers mit Waffen bekämpft haben …).

Und nicht zuletzt wissen wir: Gewalt erzeugt Gegengewalt. Es ist also nur vernünftig und zielführend, das Land zu verlassen, statt gegen wen auch immer zu kämpfen und unnötig Blut zu vergießen.

Briefe an eine besorgte Familie

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