Warum kommen so viele Männer ohne ihre Familie? Teil 1: Wo sind die Familien?

Viele Menschen fliehen im ersten Schritt gar nicht so weit weg, die meisten sind „Binnenvertriebene“ (das waren 2014 weltweit ca. 38 Millionen) im eigenen Land oder suchen im Nachbarland Schutz vor der unmittelbaren Lebensgefahr. So sind z.B. etwa 7,6 Millionen Syrer im eigenen Land auf der Flucht. Weitere 4 Millionen sind in die Nachbarländer geflüchtet: „Die Gesamtzahl von vier Millionen Flüchtlingen setzt sich zusammen aus 1.805.255 syrischen Flüchtlingen in der Türkei, 249.726 im Irak, 629.128 in Jordanien, 132.375 in Ägypten, 1.172.753 im Libanon und 24.055 an verschiedenen Orten in Nordafrika.“ (UNHCR)

Die Lebensbedingungen sind aber gerade in den Flüchtlingslagern im eigenen Land oder in den Nachbarländern sehr schlecht, die Menschen in den Lagern haben dort im wahrsten Sinne des Wortes „zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“. Um beim Beispiel Syrien zu bleiben, muss man außerdem wissen, dass Jordanien und der Libanon seit Mitte des letzten Jahrhunderts einen Großteil der palästinensischen Flüchtlinge (aktuell ca. 7 Millionen) aufgenommen haben. Entsprechend angespannt war die Situation in diesen Ländern bereits, bevor der Bürgerkrieg in Syrien überhaupt begonnen hat. Im Ergebnis leben ca. 86 Prozent der syrischen Flüchtlinge in Jordanien unter der Armutsgrenze.

Es gibt nur zwei Wege, die Familie zu ernähren. Der erste und naheliegendste Weg ist natürlich, irgendwie Geld zu verdienen, um die Familie durchzufüttern, bis der Bürgerkrieg vorbei ist. Zum Arbeitsmarkt in diesen Lagern und deren Umgebung muss ich hoffentlich nichts schreiben. So bleibt oft nur die Möglichkeit, auf illegalem Wege Geld zu verdienen. Aber selbst wenn jemand dazu bereit ist, ist auch dieser „Arbeitsmarkt“ mehr als gesättigt. Insgesamt scheint also der andere Weg die einzige Perspektive: Weiterfliehen und dann entweder anderswo Geld für die Familie verdienen und ins Lager zu schicken – oder sogar die Familie nachholen. Für den Augenblick sind Frauen und Kinder in den Flüchtlingslagern in relativer Sicherheit. Sie werden in aller Regel beschützt von männlichen Familienmitgliedern, die nicht mehr oder noch nicht stark genug sind, um die Familie selbst zu ernähren

Quellen: http://www.unhcr.ch/home/artikel/6c29db35420f9e61a720e87d81f657d9/hoechststand-von-38-millionen-binnenvertriebenen-in-2014-1.html

http://www.unhcr.ch/home/artikel/ab59d3b3184f9e2b113b72bd0125c06d/zahl-der-syrien-fluechtlinge-uebersteigt-4-millionen-2.html

http://www.kas.de/palaestinensische-gebiete/de/pages/11536/

Briefe an eine besorgte Familie