Warum nur, warum?

Da habe ich mich erst kürzlich ganz gepflegt darüber echauffiert, dass Journalisten manchmal schlampig recherchieren und Leser dessen Medienbeitrag vereinzelt unreflektiert übernehmen (s. meinen Comment "Großkonzerne"), und schon gibt es das nächste Beispiel.

Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich eine Riesensauerei zu sein, von der Josef Ametsbichler im Merkur zu berichten weiß. Nach einem zweiten Hinschauen bleiben aber nur populistische Aussagen und unbeantwortete Fragen. Warum wurde der Asylantrag abgelehnt? Behördliche Willkür? Gesetzliche Vorgaben? Dubliner Verfahren? Wohin soll die Familie ausreisen? Mali? Libyen? Italien?

Um ein bisschen Pfeffer in die Diskussion zu bringen: Warum setzt sich der Geschäftsführer für seinen Mitarbeiter ein? Zahlt er nur den Mindestlohn? Bekommt er Zuschüsse von der Arbeitsagentur? Warum sind die Kollegen so fassungslos? Weil sie sonst besonders ungeliebte Arbeit verrichten müssen? Ist eine verabscheuungswürdige (mehrfache) Vergewaltigung ein Asylgrund?

Was wäre, wenn sich die Familie nicht so gut integriert hätte, weil sie aufgrund ihrer Fähigkeiten keine Ausbildung und nur bruchstückhafte Deutschkenntnisse hätte vorweisen können? Sind individuelle Fähigkeiten und Kenntnisse ausschlaggebend für die Anerkennung eines Asylantrages? Wäre das mit dem Grundgesetz vereinbar? Sollte dann etwa die von Herrn Ametsbichler so hervorgehobene Integration ein alleiniges Argument für die Asylbewilligung sein dürfen mit der Konsequenz, dass bereits fehlende Integration eine Abschiebung nach sich zieht? Ich höre schon den Aufschrei diverser Interessengruppen.

Der sicherlich gutgemeinte Ansatz, einen Beitrag zur menschengerechten Flüchtlingspolitik zu liefern, wird wieder einmal durch journalistischen Dilettantismus kaputt gemacht.

Alinka gibt das Ganze leider ziemlich unreflektiert wider. Mehr wäre dazu nicht zu sagen, wären da nicht die Sätze "Die Wirtschaft wendet sich in diesem Fall gegen den Staat. Das ist ein gutes Zeichen.", die schon - mit Verlaub - etwas irritieren. Unternehmen, die sonst von bestimmten Gruppierungen als machtgierige Monster ("Großkonzerne"; hierzu schrieb ich bereits) und Steuerhinterzieher beschimpft werden, werden plötzlich zu Verbündeten im Kampf gegen den bösen Staat? Man biegt sich die Wahrnehmung des Seienden eben halt so hin, wie es gerade passt.

Auch der Schlusssatz "Die Wirtschaft aber täte gut daran, Stiftungen zur Förderung von Geflüchteten und insbesondere zur Subventionierung des Wohnungsbaus zu gründen. Dies, weil Wohnungen zur Reproduktion der Arbeitskraft nun einmal notwendig sind." darf nicht unkommentiert bleiben. Warum soll die Wirtschaft Stiftungen gründen? Ist eine Stiftung etwa steuerlich vorteilhafter als zum Beispiel eine gemeinnützige GmbH? Und warum die Wirtschaft? Warum nicht der AStA der Uni Hamburg? Oder eine noch zu gründende Bürgerinitiative? Es ist immer einfach, über (vermeintlich unerschöpfliche) Mittel Dritter zu verfügen. Warum Subventionierung des Wohnungsbaus? Sollen die Flüchtlinge Grundeigentum kaufen oder verspricht man sich dann geringere Mieten? Und sollen die niedrigeren Mieten für alle gelten oder nur für Flüchtlinge? Außerdem müsste dann in konsequenter Fortführung des Gedankens alles, was zur Reproduktion der Arbeitskraft erforderlich ist, subventioniert werden. Und wenn ja, von wem? Hier kann zumindest jeder Einzelne von uns seinen bescheidenen Beitrag leisten, indem er z.B. sein Schlafzimmer stundenweise an Flüchtlinge abtritt, unentgeltlich versteht sich. Mit dieser (zu) überspitzten Anmerkung, für die ich mich in vorauseilendem Gehorsam schon mal in aller Form entschuldigen möchte, höre ich lieber auf - ist besser so.

Flüchtlingsdebatte

http://www.merkur.de/lokales/ebersberg/glonn-assling/glonn-umsonst-integriert-6001214.html

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