Was man wirklich ändern müsste, um den Schlankheitswahn zu mindern.

Ich glaube, dass Werbung nicht schuld am Schlankheitswahn ist. Ich glaub nämlich auch, dass die Tatsache, dass Werbung eben so aussieht, einfach der Ausläufer eines hochstilisierten Ideals ist. Sicherlich wäre es schön, wenn man mehr "normale" und vor allem viel verschiedenere Menschen in der Werbung sehen würde. Dazu müssten wir aber erst mal alle diese Menschen schön finden und uns an ihnen orientieren wollen. Wir wollen aber eben so sein wie große, schlanke und schöne Menschen. Das liegt nicht an der Werbung, sondern an der Gesellschaft und dem momentanen Stand des Ideals. Werbung ist so ausgelegt, dass wir die Menschen, die wir sehen, bewundern und sie nachahmen wollen.

Topmodel-Shows machen meiner Meinung nach aber schon bei jungen Mädchen und Buben sehr, sehr viel kaputt. Ähnlich wie andere Castingshows geben sie den oftmals sehr jungen Zuschauern das Gefühl, sie könnten alles erreichen, wenn sie nur brav daran arbeiten würden. Wenn ein Model bei GNTM etwas breitere Hüften hat (was übrigens dort viel öfter vorkommt als im echten Modelleben, wo du einfach kein Model wirst, wenn du nicht in die Klamotten der Designer reinpasst), dann ist sie "nicht in Shape" und muss "mehr Sport machen und sich gesund ernähren". So wächst eine Generation von jungen Frauen und Männern heran, die glaubt, man müsse nur lange und hart genug an seinem Körper, seiner Stimme oder was auch immer arbeiten, um schön, erfolgreich, reich und berühmt zu werden. Bringt es was, solche Shows zu "verbieten"? Sicher nicht und schon gar nicht, solange es national passiert.

Aus meiner Erfahrung muss man ganz woanders ansetzen, zum Beispiel bei dem Irrsinn BMI. Der BMI ist eine rein statistische Größe und rechnet mit Gewicht und Größe eine Idealzahl aus, die überhaupt keinen medizinischen Hintergrund hat. Mit einem BMI zwischen 25 und 30 ist man offiziell übergewichtig und Ärzte fallen dir auf den Wecker, dass du abnehmen sollst. Dabei ist es genau jene Gruppe, die am längsten lebt. Ein Bodybuilder ist nach dem BMI meist übergewichtig und sollte sich gesünder ernähren und Sport betreiben. Eine zierliche Frau ohne Muskeln und mit viel Speck ist untergewichtig und sollte hochkalorischer essen.
Außerdem sind Medien (nicht Werbung!) ein Riesenthema. Solange es in SÄMTLICHEN Frauen- und Männerzeitschriften zu mindestens 50-80 % um die Idealfigur geht und wie man sie erreicht, werden bereits junge Mädchen immer mehr glauben, sie müssten abnehmen, um schön und gesund zu sein. So lange schwer Essgestörte und kranke Menschen einerseits in arme, kranke, bemitleidenswerte, extrem disziplinierte Magersüchtige und andererseits undisziplinierte, faule und hässliche Esssüchtige eingeteilt werden, wissen Mädchen, was sie "zu tun haben", um bemitleidet und gleichzeitig bewundert zu werden und positive Aufmerksamkeit zu erlangen.

Ich selbst war als Kind und Jugendliche exakt idealgewichtig bis leicht überdurchschnittlich und als Erwachsene dann 7 Jahre lang "leicht übergewichtig". Und ich hab mir so lange von Erziehungsbeauftragten, Ärzten, Frauenzeitschriften und ähnlichem einreden lassen, dass das hässlich und ungesund ist, dass ich mir einen Jojo-Effekt aus dem Bilderbuch gezüchtet habe. Ich frage mich schon manchmal, wie das ausgegangen wäre, wenn ich mit 12 einfach gehört hätte: "Du hast ein gesundes Gewicht und siehst schön aus. Andere sind in diesem Alter spargeldünn, weil sie wachsen, andere sind untersetzter, aber solange du ein gesundes Gewicht hast, bleib bitte so wie du bist.".

Schlankheitswahn

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