Wer nichts wagt, gewinnt

Für Millionen von Fans ist es das Kinoereignis des Jahres. Für mich nicht. Das Star-Wars-Fieber hat mich nie so richtig erwischt, obwohl es um mich herum immer viele Infizierte gegeben hat. Warum, kann ich gar nicht genau sagen. Die älteren (und für viele einzig wahren) Teile habe ich wahrscheinlich erst zu spät gesehen, um so drauf abzufahren, wie es sich gehört. Die neuen fand ich, sorry, einfach nur furchtbar. Wenn ich nur an Hayden Christensens doofes Gesicht in diesen seelenlosen Hochglanzkulissen denke, fallen mir die Augen zu, und nicht mal der von mir sonst so geworshippte Ewan McGregor war da ein Trost.

Nachdem nun diese wichtige Information verabreicht wurde und Ihr also wisst, wie leidenschaftslos ich an dieses gestrige Filmerlebnis herangegangen bin - nun ganz nüchtern zum neuesten Teil der legendären Erfolgssaga, ohne die viel gefürchteten Spoiler, versprochen.

Also, dieser Star Wars 7. Das war schon ein sehr unterhaltsamer Film, ja. Und ich war sogar ein bisschen gefesselt. Die Effekte sind, wie zu erwarten, eine Klasse für sich, und bei allem visuellen Hokuspokus ist es Regisseur J. J. Abrams definitiv gelungen, den Charme der alten Klassiker wieder heraufzubeschwören. Das liegt zum einen an der einen oder anderen netten Reminiszenz, zum anderen gibt es auch ein lang ersehntes Wiedersehen mit (allen? - Wird nicht verraten...) Schauspieler*innen, die damals in den Krieg der Sterne gezogen sind und ihn zu dem Kultklassiker gemacht haben, der er heute ist. Ein Wiedersehen mit Jar Jar Binks (soviel darf wohl verraten werden, ohne wegen Spoilerei gelyncht zu werden) gibt es dagegen nicht, was ebenso viele Fans freuen dürfte.

Und dann sind da noch die neuen Figuren. Auf der hellen Seite haben wir die tapfere Widerstandskämpferin Rey und ihre Mitstreiter, den Stormtrooper-Deserteur Finn und den Piloten Poe Dameron - mit Daisy Ridley, John Boyega und Oscar Isaac sympathisch besetzt. Das Gegenteil gilt für den maskierten Vader-Nacheiferer Kylo Ren (Adam Driver), den nazihaften General Hux (stark: Domhnall Gleeson) sowie den Oberbösewicht a.k.a. Supreme Leader Snoke (Andy „Gollum“ Serkis) auf der anderen, bekanntlich eher dunklen Seite der Macht.

All diese Charaktere und noch ein ganzer Haufen hutzelig-putziger bis widerlich-schleimiger Kreaturen fügen sich nahtlos ein in das (alte) Star Wars Universum. Und genau diese gefällige Nahtlosigkeit ist es auch, die mich als Nicht-Fangirl hin und wieder ein bisschen gestört hat. Denn die neuen Figuren sind im Grunde nicht viel mehr als (ja, okay, ganz nette) Kopien der allseits beliebten Urtypen. Gleiches gilt für die Kulissen, die, wie es aussieht, nichts anderes ausstrahlen wollen als den heiligen Spirit der alten Tage.

Klar will kein Die-Hard-Star-Wars-Maniac eine ganz neue Story oder gar einen Jar Jar Binks zurückhaben, aber hätte man nicht vielleicht doch ein ganz klein bisschen mehr wagen, sich ein ganz klein bisschen um Originalität bemühen dürfen, ohne von einem wütenden Fanmob gesteinigt zu werden? Ich denke schon. Aber mich sollte man da vielleicht auch nicht fragen. Denn ich bin nach wie vor nicht infiziert. Die beiden weiteren geplanten Teile werde ich mir trotzdem sehr gerne wieder angucken, wenn man mich lässt.

Star Wars: Episode 7

http://www.filmstarts.de/kritiken/215097.html

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