Werbung im TV

Klar, in diesem Themenbereich geht es eigentlich um das, was wir bewusst und willentlich in Kino und TV konsumieren. Aber in Wahrheit werden alleine im deutschen Fernsehen etwa 1,8 Mio. Minuten Werbung pro Jahr gesendet und viele davon sehen wir uns an.

Irgendwann in meiner Kindheit kam er, der heißersehnte SAT-Anschluss. Und das bedeutete nicht nur, dass wir uns auf einen Schlag ein Programm von mindestens 30 Sendern mehr reinziehen konnten, sondern auch, dass sich die Zahl der Fernsehgeräte im Haus von den durchschnittlichen zwei Stück auf wahnwitzige sechs Stück erhöhte und das bei fünf Familienmitgliedern.
Mit dem SAT-Programm kam jedoch auch die Werbung. Waren die paar Minuten pro Stunde im österreichischen Staatsrundfunk noch nebenbei gelaufen, so hatten die Werbeunterbrechungen in den deutschen Privatsendern einen ganz anderen Stellenwert. Die Spots waren häufiger zu sehen und man musste sie sich fast schon zwangsläufig reinziehen, wenn man nichts von der Serie oder dem Film verpassen wollte.
Es ergaben sich damit "Probleme" beim Fernsehen: Einerseits hatte man oft keine Lust, sich die Werbung anzusehen, auf der anderen Seite war die Gefahr hoch, dass man dann den Einstieg verpasste. Besser war das bei Sendern, die nach der Werbeunterbrechung im Wiedereinstieg ein paar Sekunden zurückgingen, andere pfiffen darauf und bis man sich wieder orientiert hatte, war eine Szene vorbei.
Bei Serien wie GZSZ konnte man wenigstens vorher abschätzen, wann die Werbung kam. Wir wussten: Auch, wenn GZSZ um 19.40 startete, so sah man ohnehin nur die Erklärung, was bisher passierte und den Jingle, danach war Werbung und man konnte auch erst um 19.45 einsteigen.
Oft liefen neue Filme gleichzeitig auf ORF und im deutschen Privatfernsehen. Das bedeutete, dass man natürlich auf ORF sah und sich die Werbeunterbrechungen ersparte. Nachdem der Film zu Ende war, konnte man aber umschalten und sich ein gutes Drittel des Films nochmals ansehen, weil er durch die Unterbrechungen so weit hinterherhinkte.
Es gab immer wieder Diskussionen, ob Werbeunterbrechungen nicht doch gut wären, denn man hatte eine Zeit, in der man schnell aufs Klo oder sich etwas holen konnte. Aber eigentlich haben sie jeden genervt.

In einer (Fernseh-)Welt wie heute, in der sich alles zum "on demand" wandelt, werden Unterbrechungen im klassischen TV immer abstruser, denn wir sind es mittlerweile schon fast gewöhnt, das Programm für den Toilettengang pausieren zu können und zumindest zu wissen, wie lange die Werbung lief (zum Beispiel auf YouTube), auf Bezahlprogrammen und den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen hat Werbung gar keinen Platz.
Wie sich das Fernsehen verändert, verändert sich auch die TV-Werbung, aber ich muss sagen, ich vermisse es nicht, in einer spannenden Serie von einer Waschmittelwerbung unterbrochen zu werden.

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