Wähle weise, Mensch 2.0, gegen wen du stürmen willst

Dass ein Shitstorm eine beschissene Sache ist, wenn man selbst mittendrin steht, dürfte ja schon länger klar sein – in der Theorie jedenfalls. Allein in den letzten Wochen gab es ja von einigen Seiten vielbeachtete Statements in den Medien, sei es die Klage über „digitale Hexenjagd“ von Dieter Nuhr, der Tagesschau-Kommentar über rechte Hetze von Anja Reschke oder diverse youtube-Sternchen v.a. aus der Schminkbranche, die ihre „Hater“ mit der Aktion #IDONTHATE dazu aufriefen, sich bewusst zu machen, was sie mit ihrem Verhalten auf der Empfängerseite auslösen können.

Jemanden wegen eines für die Gesamtgesellschaft nicht allzu schwerwiegenden Fehlers, wie im Fall der „Piratin“ Julia Schramm, an den Pranger zu stellen und so lange zu geißeln, bis von dieser Person in der öffentlichen Wahrnehmung nichts mehr übrig ist – wer in vollem Bewusstsein der Konsequenzen an so einem Shitstorm teilnimmt, muss sich schon ziemlich sicher sein, dass es sowas wie Karma nicht gibt.

Das Problem liegt wohl darin, wie ebenfalls schon oft gesagt wurde, dass Shitstorm-Partizipient*innen in der Regel dieses Bewusstsein fehlt. Darum ist es sicher nicht verkehrt, sooft wie möglich – und zwar da, wo diese Phänomene passieren – darauf hinzuweisen: Ja, Shitstorms können vernichten.

Die Bewusstwerdung dieser einfachen Tatsache hat zum einen den Vorteil, dass potenzielle Shitstürmer sich vielleicht tatsächlich mal fragen (sofern ihre geistigen Kräfte dazu ausreichen): Will ich wirklich meinen Teil zur Vernichtung der Person X beitragen, weil ich ihre Stimme nicht abkann oder sie sich hässlich geschminkt hat? Oder reicht es nicht vielleicht doch, die Kanäle der "verhassten" Person einfach nicht mehr zu abonnieren? - Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Das Bewusstsein für die Tatsache, dass Shitstorms vernichten können, hat aber auch eine Kehrseite, die ebenfalls nicht vergessen werden sollte. Wenn bspw. für die Gesamtgesellschaft eklatante Missstände durch solche Netzphänomene (auch in anderen Medien) sichtbar werden, sind sie vielleicht das wirksamste Kampfmittel der digitalen Gesellschaft und können, sofern sinnvoll und mit Bedacht heraufbeschworen, auch ihr Gutes haben.

Wollen wir z.B. eine Welt ohne, sagen wir, die Pelzindustrie, Konzerne wie Monsanto oder Bestsellerautoren wie Akif Pirincci, dürfte die Shitstorm-Partizipation sicher ein effektvolleres Mittel sein als z.B. der Boykott der / des Einzelnen, von dem ja meist keiner was mitbekommt, wenn man nicht gerade Miley Cyrus heißt und 50 Mio. Follower hat.

Drum wähle weise, Mensch als Vertreter*in Deiner Gesellschaft 2.0, gegen wen oder was du stürmen willst. Denn es könnte einen Effekt haben.

Shitstorm

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