Wider das digitale Lotterleben!

Nimmt man zum Vergleich für das digitale Leben mal eine Wohnung oder ein Haus daher, dann würde es bei so einigen Leuten, von denen man eigentlich dachte sie seien recht ordentlich aussehen wie auf einer Müllhalde.
Schaut man sich manche Foto-Datenberge, vollgespammte Email-Accounts, Toolbar-verseuchte Browser, marode iTunes Bibliotheken oder zerfleischte Adressbücher an, wird einem Angst und Bange.
Woher kommt es, dass die „digitale Behausung“ vieler Internet-Bewohner nach mehr Renovierung zu dürsten scheint, als so mancher Gründerzeit-Bau nach zwanzig Jahren Hausbesetzung?

Erklärungen dafür gibts wohl genug, Gründe dem ein Ende zu setzten noch mehr!
Vielen ist es sicher schlicht über den Kopf gewachsen.
Jeder kennt sie, die Schmuddelecken in Küche oder oder Diele, in denen sich Briefe, Kleinzeug, Hefte, Werbung und Zeug ansammeln, für das nirgendwo anderes Platz zu sein scheint.
Ja es gibt tatsächlich Phasen, in denen andere Sachen wichtiger sind, als sich um so etwas zu kümmern.
Dennoch, irgendwann ist bei dem meisten das Maß voll, und es wird geputzt, aufgeräumt und gelüftet, spätestens dann wenn seltene Gäste kommen oder die Eltern.
Menschen, die diese innere Grenze, bei der es dann ans aufräumen geht, nicht im Griff haben, wohnen entweder in WGs und genießen den Schutz der Anonymität (jeder sollte das mal testen) oder sie werden von ihren Freunden und Bekannten als Dreckspatz abgestempelt, der ungern besucht wird.
Pathologische Beweggründe für den Grad der Sauberkeit im eigenen Zuhause mal außen vorgelassen, befindet sich der Bewohner der physischen Welt also (meist glücklicher Weise), in einem Kreislauf aus Selbstregulation und dem kritischen Blick seines sozialen Umfeldes.
Das Ergebnis ist dann fast immer eines, mit dem die Allgemeinheit leben können würde.

Das gilt für die Ordnung oder Unordnung des Lebensraum Internet natürlich genauso, keine Frage.
Bedient man hier jedoch nochmal die Terminologie des physischen Wohnens, muss man, in vielleicht mehr Fällen als einem Lieb ist, leider sagen, dass wir unter einer steigenden Anzahl digitaler Messis leben.
Viele Internet-Bewohner sitzen quasi buchstäblich in ihrem eigenen Dreck und das ohne Aussicht auf Besserung!

Abertausende Werbe, Spam und sonst was Emails warten nur darauf gelöscht zu werden aus den GMX und Web.de Accounts der Republik.
Gigabyte unsortierte und verwackelte Schnappschüsse, die vielleicht ein aus Lethargie oder Unkenntnis aktivierter Dropbox Foto-Upload in den Äther gespült hat, warten nur auf ihren Gnadenschuss. Unbenannte mp3´s, vielleicht aus Youtube Rips, Karteileichen in Adressbüchern auf Smartphones und abgebrochene Downloads aller Couleur würden sich freuen über eine Abschiebung ins digitale Nirwana.
Alle diese Dateien sind Abfall und sollten verschwinden aus der digitalen Wohnung, genauso wie leere Yoghurt-Becher aus der physischen Behausung.

Digitale sowie auch physische Güter als Abfall zu qualifizieren oder nicht, ist freilich eine sehr individuelle Angelegenheit und das Genie beherrscht bekanntermaßen das Chaos!
So soll hier über niemanden gerichtet werden, der vielleicht in meinen Augen absurde oder überflüssige Formationen aus Nullen und Einsen auf seinen digitalen Schrein stellt.
Doch ein digitaler Messi beherrscht in der Regel überhaupt nichts und schon gar nicht das Chaos!
Ob es nun an Interesse, Bedienkompetenz oder einer Mischung aus beidem liegt, der digitale Messi findet sich nicht zurecht in seiner Wohnung.
Wenn er etwas sucht, wie z.B. die Adresse eines Freundes, ein Dokument oder ein Foto, dann ist es mehr ein herumstochern in seinen digitalen Gütern, als ein gezieltes Greifen, ein wühlen im Abfall!
Der digitale Messi geht meist den Weg des geringsten Widerstands! Was sich nicht über die Volks-Kommunikations-Instrument Whats App sagen lässt wird im Zweifelsfall eben nicht gesagt und oft sind es die digital besser sortierten, die herhalten müssen, wenn man mal eine Telefonnummer, Straße oder sonst was benötigt.
Social Engineering ist also der Strohhalm, der den digitalen Messi häufig vom absaufen bewahrt.
Es ist nicht schwierig Leute zu treffen, die seit drei Wochen keine Emails abgerufen haben und das obwohl sie ein neues Smartphone in der Hosentasche haben.
Das sind dann meist auch die Leute, die von ihrem Lieblingsalbum am liebsten Track 3 hören, die ihr Passwort bei Ebay bei jeder Anmeldung neu anfordern müssen um mitbieten zu können.
Digitale Messis sitzen meist in einem Haufen von Tools und Anwendungen, die sie nicht benutzen, weil sie sie nicht verstehen können oder wollen.
Vorinstallierte Testversionen von Anti-Viren Programmen, jungfräuliche Instant Messenger, auf Grund von unaufmerksamen Klicks in die Browsertoolbar gehievte sog. Helferlein für jeden erdenklichen Unfug, verstopfen die Synapsen des digitalen Messis und machen ihn handlungsunfähig.
Man stelle sich analog zu diesem Bild eine physische Wohnung vor, wir würden wohl alle auf dem Absatz kehrt machen und das weite suchen!

Ich will natürlich niemandem zu nahe treten, und im Grunde geht es ja auch niemanden etwas an wie der andere lebt, digital sowie physisch.
Dennoch, manchmal denke ich, wir bräuchten so etwas wie ein digitales Betreutes Wohnen.

digitale Messis

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