Wie treibt man Frauen in den Wahnsinn?

Da stand sie wieder flötend vor mir und nervte. Luzia unser Büro It-Girl. Super modisch, super sexy und super flach im Denken. Arbeiten ist ihr Feindbegriff und wie man Anstrengung erfolgreich umgeht, ihre Passion. Und ich bin ihr Opfer, dass dauernd ihren Job übernehmen soll. Ich hatte schon verschiedene Vorgehensweisen ausprobiert, die Dame loszuwerden. Dazu gehörte der Rausschmiss aus meinem Büro, ein gepflegter Zusammenschiss und ein vernünftiges Gespräch. Gut, nicht in dieser Reihenfolge. Gewirkt hat nichts, weil ihre Taktik des Ignorierens um Längen besser ist, als meine hausbackenen Versuche, diese zu durchbrechen. Zum Chef rennen muss ich nicht, weil es den erstens nicht interessiert und zweitens hat Luzia zwei schlagende Doppel-D-Argumente. Diese hängen meist auch noch schön an der Luft, was den Männern als Qualitätsnachweis reicht. Ihr glaubt, das sei heutzutage ein Klischee? Von wegen! Soweit sind wir vom Urwald noch nicht entfernt. Ich hingegen verfüge nur über einen guten Lebenslauf. Somit gehöre ich zu den untergeordneten Affen. Eine andere Idee muss her. Bananen vielleicht? Nein, ein Geheimnis muss es sein. Ab heute würde ich sicher nicht mehr ihre Arbeit machen. Luzia wollte mir gerade ihre Unterlagen auf den Tisch knallen, als ich mich umschaute und ihr ganz geheimnisvoll zu flüsterte, dass das nicht ginge, weil ich andere Arbeit machen müsste. Ich dürfte ihr nicht sagen was für welche, denn das sei geheim und dafür hätte ich unterschreiben müssen und sie dürfe niemandem etwas sagen. Damit drehte ich mich um und machte schweigend mit meinem Job weiter. Luzia guckte schockiert und stöckelte dann zögerlich davon. Gut, es war schon gemein so kurz vor Arbeitsschluss, denn jetzt musste sie das doch tatsächlich selber machen. Aber, höhere Macht, höheres Recht. Muss ich noch erwähnen, dass man dabei keine Zeugen haben darf? Ich habe das Spielchen, mit Perspektivenwechsel, noch einige Male wiederholt. Das heisst Gespräche abgebrochen, wenn sie gekommen ist, Unterlagen schnell in die Schublade verschoben bei ihrer Anwesenheit etc. Es war aber auch klar, dass La Dame nicht so einfach aufgeben würde. Wo käme sie denn hin, wenn sie plötzlich selber arbeiten müsste. Deshalb versuchte sie klammheimlich meine Arbeitskollegen auszuhorchen. Trotzdem diese ihre Nasen tief in ihrem Ausschnitt hatten, kam nichts dabei heraus. Das fand Luzia so frustrierend, dass sie sogar den Chef anging. Nur, der interessiert sich auch nicht für Fantasien über Geheimnisse, sondern nur für fertige Arbeit. Und Luzia? Die fing immer mehr an verwirrt und hysterisch durch die Gegend zu laufen. Sie wusste, da war ein Geheimnis und keiner klärte sie auf. Das war für sie sowas von unerträglich! Ganz davon abgesehen, dass sie ihre Arbeit nicht mehr abschieben konnte. Nach zwei Wochen war sie im Ausnahmezustand und der Rest der Abteilung auf der Flucht. Nix mehr mit Doppel-D. Es entging ihr natürlich auch nicht, dass sie inzwischen alle für ein wenig bekloppt hielten. Im Büro habe ich seither einen Zettel in der Schublade. Darauf steht: «Ich darf nicht sagen, was ich für eine Arbeit mache». Darunter meine Unterschrift. Was soll ich sagen! Ich lüge eben nicht gerne. Nun, der Effekt kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Sie lässt mich seither in Ruhe und ihr Ansehen hat auch ein wenig gelitten. Das hat sicherlich etwas mit ihren fantasievollen Fragen an die anderen zu tun, aber hauptsächlich war es wohl die schlechte Arbeit, die sie plötzlich ablieferte. Sicher, dass Leben ist nicht einfach, fragt sich meist nur für wen. Als Fazit lässt sich aber sagen, habe ein Geheimnis und die Frauen drehen am Rad. Das Leben ist doch gar nicht so schwierig oder?

Liebe Grüsse Alex

Frauen

lealexsax.ch