Wie treibt man Männer in den Wahnsinn

Die Strasse war zweispurig und ich im Stau. Die linke Spur existierte nur zum Einfädeln. Das hatten auch alle begriffen. Bis auf einen. Der fuhr mit einem kleinen rostbehangenen Insekt neben mir und fing fröhlich an, mich abzuwürgen. Auf meiner korrekten Spur! Es war ein Mann wohlgemerkt, der hier seine Kriegstaktik fuhr. Daneben seine klammernde Frau, die Angst vor meinem Jeep hatte und sich wohl dauernd fragte, ob ihr Sohn auf dem Rücksitz die Absichten seines Vaters überleben würde. Wenn es nach mir gegangen wäre…, gut lassen wir das, ich bin sauer. Schlussendlich musste ich bremsen, sonst hätte ich den Idioten tatsächlich überfahren. Der Zischte frech vorne rein und ruckelte siegessicher ins Shopping-Center. Grimmig lächelnd fuhr ich hinterher, da ich dasselbe Ziel hatte. Zum Einkaufen. Ich war jetzt schon sicher, dass das sein Pech war. Nein wirklich, ich bin sehr nett, ausser man reizt mich. Das sollte man nicht tun. Nie! Im Parkhaus angekommen konnte ich direkt hinter dem Frettchen parkieren. Wahrscheinlich hatte seine alte Beule auch keinen Rückspiegel mehr, denn er merkte es nicht. Vielleicht auch, weil seine Scheibe einen Sprung hatte. Wie auch immer. Kaum war er aus dem Auto, da stand ich auch schon vor ihm, mit der freundlichen Frage, was das denn hätte sollen. Der Mann war dicklich, ungepflegt und roch auch so. Wie ein Kadaver mit Beinen. Sofort fing er an sich aufzuplustern und zu schreien. Ach guck, dachte ich, die Leiche will pupsen! Wie praktisch, ich konnte mich also ran hängen. Das Konzept war schon bereit und er eine totale Pfeiffe. Nach fünf Minuten war dem Kerlchen nämlich schon die Luft ausgegangen. Da war ich entschieden besser. Nicht mit Schreien, nein, mit Reden. Ich konnte einen Tagesvortrag über einen Bierdeckel halten. Als ersten Punkt erklärte ich ihm überraschenderweise die Funktionsweise seines Autos. Also bremsen und Gas geben und so. Als er unterbrechen wollte, zeigte ich ihm kurz meine Dashcam. Das liess ihn erstarren, denn seine Aktion war durchaus polizeifähig gewesen. Weiter erklärte ich ihm die erquicklichen technischen Details zum Bremsweg, gefolgt von den spannenden Vorgaben zur Versicherungssituation. Weiter ging es mit seinem Sicherheitsverhalten und seiner Verantwortung der Familie gegenüber. Mittlerweile war das Frettchen schon rot angelaufen, wagte es aber nicht, auch nur einen Ton zu sagen. Dabei sah er immer das kleine nette rote Licht meiner Autokamera an. Ach, wie filmen doch die Erziehung übernehmen konnte. Herrlich! Da mein Vortrag erst mickrige fünfundzwanzig Minuten gedauert hatte, beschloss ich, ihm zum besseren Verständnis noch eine Zusammenfassung des Ganzen zu präsentieren. Leider nahm dies auch nur fünf Minuten in Anspruch. So beschloss ich spontan, ihm noch das Fahren im Parkhaus zu erklären. Man konnte ja nie wissen. Der Leichengräber versuchte dabei immer wieder, seine Frau auszuladen, damit er endlich verschwinden konnte. Nur die hatte keine Lust auszusteigen. Sie hatte wohl meine Strategie erkannt und schien sie nicht uninteressant zu finden. Zumindest lächelte sie immer leicht vor sich hin. Den Sohn bekam er auch nicht raus, weil der fahrende Schrotthaufen nur zwei Türen hatte. Gut, ich stand im Weg. Mit Absicht. Deshalb musste es der Stinker nochmals zehn Minuten ertragen, sich das Wetter in Bezug auf die Fahrweise erklären zu lassen. Dass es gerade sonnig war, war Nebensache. Inzwischen war er kurz vor dem Durchdrehen und scharrte mit den Füssen Löcher in den Boden. Da hatte ich langsam Mitleid und ja, der Gestank hing mir langsam auf die Nerven. Also liess ich mein Opfer gehen, indem ich ihm erlaubte zu gehen. Nett oder? Er und sein Anhang waren auch sehr schnell verschwunden. Was soll ich sagen? Man schreit Männer nicht an. Erklärt ihnen ihr Auto, ihre Fahrweise und ihr Leben. Sie lieben das. Und ja, ich habe ein Navi im Auto, keine Kamera. Ich gehe jetzt einkaufen. Das nächstmal sprechen wir über Frauen und wie man die effizient in den Wahnsinn treibt.

Liebe Grüsse Alex

Männer

lealexsax.ch

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