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Wieso Lektoren eine geschützte Berufsbezeichnung brauchen

Ich arbeite als Lektorin und Korrektorin. Das verbindet mich mit 1.300 Mitgliedern in meiner Lieblings-Facebook-Gruppe, mit zahlreichen Studierenden, die auf Online-Plattformen ihre Dienste anbieten, mit Deutschlehrerinnen, die sich nebenbei etwas dazuverdienen wollen und mit freien Lektoren, die in Gruppen für AutorInnen und Self Publisher wie eine Katze vorm Mäuseloch darauf warten, dass jemand die Frage nach einem guten Korrektor stellt.

Immer, wenn sich Leute über Facebook beschweren, denke ich daran, dass ich ohne Facebook einen Großteil meiner Aufträge nicht bekommen hätte und bin froh, dass es diese Möglichkeit gibt. Auf der anderen Seite sind die von Erfolg gekrönten Konversationen natürlich in der Minderheit, denn in 80 % der Fälle bekomme ich entweder keine Antwort mehr oder eine freundliche Information, dass ein anderer Lektor oder eine andere Lektorin billiger war. Klar: Wer viel Erfahrung hat, weiß, dass sehr geringe Preise nur von Personen angeboten werden können, die nicht vom Lektorieren leben und einen fixen Job oder eine andere Hauptbeschäftigung oder -einkommensquelle haben. Und an ihrer Stelle würde ich es wohl genauso machen. Dass dabei bedacht werden muss, dass die fehlende Übung und Erfahrung in diesem Geschäft die Qualität der Leistung sehr stark beeinflusst, wissen meist unerfahrene Self Publisher nicht oder gehen das Risiko ein.

Viele Lektoren ärgern sich daher über niedrige Preise ihrer Kollegen, aber ich muss sagen: Wenn ich es mir aufgrund eines sicheren Einkommens und der nur Nebenbei-Arbeit leisten kann, einen niedrigen Preis anzubieten, und deshalb einen Job bekomme, dann mach ich das auch, egal, ob die Preise der Branche dadurch sinken. Ich finde das durchaus ok. Das Problem dabei ist aber, dass sich das eben nur Leute leisten können, die nebenbei korrigieren.

Kurz: Autoren, die billiges Lektorat oder Korrektorat brauchen, finden IMMER jemanden, der es noch billiger macht. Leute, die nebenbei korrigieren, können es sich leisten, niedrige Preise anzubieten und sind für den Autor kaum von hauptberuflichen Lektoren mit Erfahrung zu unterscheiden. Die Frage ist daher, wie man eine Unterscheidung von erfahrenen und hauptberuflichen Lektoren von Germanistik-Studis und Deutschlehrerinnen vornehmen kann. Eine geschützte Berufsbezeichnung, das wärs! Die Leute, die sich an dich wenden, wissen, dass sie einen höheren Preis bezahlen. Und die Leute, die eine möglichst billige Arbeit brauchen, wenden sich erst gar nicht an dich.

Wenn mir jetzt noch jemand zeigen könnte, wie zum Teufel man eine Qualifikation und Formalisierung einer derart umfassenden Leistung wie dem Lektorat vornehmen kann, wäre ich wohl gescheiter.

Lektorenhonorar