Wirtschaftsflüchtlinge – zum Ersten, zum Zweiten, zuuuum …

Ein tibetischer Bekannter – unter Lebensgefahr nach Nepal geflüchtet und schließlich in Deutschland gelandet – wartet seit über zwei Jahren auf seine Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Er würde sich gerne einen Rechtsanwalt nehmen, um das Verfahren zu beschleunigen, aber dazu reichen seine Mittel (mtl. 350 € plus Unterkunft) nicht aus. Dass Manfred Schmidt, der bisherige Leiter des Bundesamtes, heute von seinen Aufgaben zurückgetreten ist, wird die Hoffnung meines Bekannten nicht steigern. Er kann nur abwarten.

Zwei junge Ägypter, die in Kairo Medizin studierten und dann fliehen mussten, weil sie angeblich den Muslimbrüdern nahe stehen, warten in Niedersachsen seit eineinhalb Jahren auf ihren Bescheid. Die blitzgescheiten Brüder würden gerne ihr Studium hier in Deutschland fortsetzen, sind aber zum Nichtstun gezwungen. Vergeudete Lebenszeit.

Das männliche Oberhaupt einer irakischen Familie erklärte Deutschland kürzlich vor laufenden Kameras zum gelobten Land. Die Menschen wären sehr freundlich gegenüber Fremden, und alle Flüchtlinge bekämen eigene Häuser gebaut. Deshalb wolle er auch er mit seiner Familie nach Deutschland. Sie hätten bereits das Auto verkauft und einen Teil des Schmucks der Ehefrau, damit sein 14-jähriger Sohn die Reise nach Deutschland und die Schlepper bezahlen könne. Für den nächsten Tag sei die Abreise geplant. Einmal angekommen – so sagte der Vater – würde der Sohn die ganze Familie nachholen, das sei in Deutschland so erlaubt. Der Junge sitzt heute vielleicht in Mazedonien fest oder läuft zu Fuß durch Kroatien.

Drei kleine Geschichten, drei verschiedene Perspektiven. In seinem Comment "Recht auf ein Verfahren" schreibt der Autor folgenden Satz: " Es geht also darum, die Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen trotzdem Willkommen zu heißen und ihnen den Aufenthalt in Deutschland, bis zu dem Moment wo sie vielleicht wieder abreisen müssen oder gar abgeschoben werden, so angenehm wie möglich zu machen." Vorher gesteht er zu, dass Deutschland nur dem Asyl gewährt, der durch Krieg oder politische Verfolgung um sein Leben fürchten muss (und dies möglichst auch belegen kann).

Es geht also nicht darum, jenen Menschen, die in ihrer Heimat mit Not und Armut ringen, hier eine bessere Zukunft zu bieten. Und ihre Zeit bis zur Klärung ihres Falles (siehe Bundesamt), muss auch nicht so angenehm wie möglich sein.

Wenn ich – beispielsweise wegen schockierend niedriger Rentenansprüche – nach Kanada, Australien, Neuseeland oder in die USA umsiedeln möchte, werde ich höchstwahrscheinlich schon bei der Einreise abgewiesen. Die klassischen Einwandererländer haben mittlerweile ein sehr strenges Punktesystem, und nur wer die richtigen Berufskenntnisse, das richtige Alter, die richtigen Sprachkenntnisse mitbringt, gesund ist und andere Bedingungen erfüllt, kann vielleicht mit einer Arbeitserlaubnis rechnen. Die USA verlosen jedes Jahr 50.000 Greencards (ca. 6 Millionen Lose im Topf), und in Neuseeland würden heute statt 4,5 Millionen Einwohnern etwa 25 Millionen Menschen leben, hätte man alle Bewerber der letzten 20 Jahre einreisen lassen. Aber auch Nepal, Thailand, Kuba, Kambodscha, die Philippinen und andere warme Länder, in denen unser Euro noch etwas wert ist, lassen kaum jemanden aus wirtschaftlichen Gründen einreisen. Und politisches Asyl gibt es dort schon gar nicht.

Es geht also nicht darum, Menschen, die das Recht auf politisches Asyl offenkundig missbrauchen und nur aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen, hier willkommen zu heißen und ihnen die Zeit in Deutschland so angenehm wie möglich zu machen. Man sollte sie möglichst gar nicht erst einreisen lassen oder so schnell wie möglich wieder zurückschicken, weil sie unsere total überlasteten bürokratischen Systeme verstopfen und dadurch wirkliche politische Flüchtlinge zu jahrelangem Nichtstun zwingen.

Wir können nicht jede irakische Familie bei uns aufnehmen (insbesondere, wenn sie immerhin über ein eigenes Auto verfügte, also nicht bettelarm ist) und auch nicht all jene Menschen, die voller Hoffnung auf ein Leben in mitteleuropäischem Wohlstand ihre Heimatländer verlassen. Wer kein Recht auf politisches auf Asyl in Deutschland hat, sollte so schnell wie möglich abgeschoben werden, auch wenn das grausam klingt.

Gleichzeitig sollten die für die Unterbringung in Auffanglagern, für Sachleistungen, Taschengeld et cetera eingesparten Millionen oder gar Milliarden zielstrebig in jenen Ländern eingesetzt werden, aus denen die meisten Wirtschaftsflüchtlinge kommen. Für Existenzgründer, Kleinkredite, Saatgut, Brunnen, Dünger, Ausbildungsmaßnahmen, Genossenschaftsgründungen und dergleichen mehr.

Flüchtlingsdebatte

https://youtu.be/2nOQlwm0SkU