Wo ist der Horror?

Ich mag Horrorliteratur, Lovecraft und Poe sind dahingehend über allem erhaben und auch ein Stephen King weiß ganz gut mit diesem Genre umzugehen. Ich würde wohl auch Horrorfilme mögen, wenn es denn dieser noch welche gäbe. Ich bin nicht mit schwarz-weiß-Filmen aufgewachsen und war zu Zeiten von Shining noch zu jung um diesen Film ansehen zu dürfen. Als ich dann in das alter kam, in dem es mir von Gesetzeswegen erlaubt gewesen war, Horrorfilme anzusehen, war dies zu der Zeit als die Filme so plump und vorhersehbar oder lediglich von Splatterszenen lebten. Die schlechte Fraktion beinhaltete einfach mal beides. Kurzum ich war und bin weiterhin enttäuscht von den heutigen - und damit meine ich nahezu alle, die in Farbe gedreht wurden - Horrorfilmen.
Ich erfreue mich an Horrorfilmen aus der alten Zeit, in der ich noch nicht einmal auf der Welt gewesen bin. Filme mit wirklich grauenerregenden Zombies, die völlig abgehackt durchs Bild wandelten, Nebelschwaden auf Friedhöfen. Horrorfilme in denen Opfer nicht zerhackt, gerädert und verbrannt wurden, sondern ab und an auch einfach mal verschwanden, Filme in denen das Grauen manchmal nur angedeutet und dadurch noch verstärkt wurde. Filme bei denen man vor dem Bildschirm sitzt und während dessen das eigene Kopfkino angeht, in dem man sich ausmalt, was das Opfer nun erleiden muss, oder was der flüchtende Protagonist wohl gerade ersehen hat. Und dies alles mit der Kamera richtig in Szene gesetzt. Das verstehe ich unter Bildgewalt. Und nicht ein "Monster", welches bis ins kleinste Detail zu erkennen ist und dadurch oftmals lächerlich wirkt, wenn man den Schauspieler hinter der Maske sieht oder die Bewegungen all zu menschlich erscheinen.
Ich habe auch nichts von detailliertem Gemetzel, was mir die eigene Fantasie beraubt und durch allzu viel Kunstblut oder völlig übertriebenem Geschrei des Opfers, auch in die Lächerlichkeit abrutscht. Zumal Splatter per se nichts mit Horror zu tun hat, jedoch scheint das irgendwann irgendjemand einmal festgelegt zu haben und seither muss dies so sein. Ich bin sehr froh darüber, dass es noch ein paar alte Horrorperlen gibt, diese sind aber doch auch sehr schnell erschöpft und das Grauen lässt auch dort irgendwann einmal nach. Darum bin ich sehr froh darüber, dass ich vor einiger Zeit das Projekt "Die Farbe" entdeckt habe, ein Filmprojekt, welches sich dem gleichnamigen Buch von H.P. Lovecraft gewidmet hat. Momentan wird dort an der Verfilmung von "Die Traumlande" gearbeitet. Trotz dessen, dass das Budget der Produktionsfirma ein sehr geringes war und sie weiterhin auf Förderer angewiesen sind, ist "Die Farbe" eine der Besten Horrorfilme, die ich seit Jahren gesehen habe, da hier das Wort Horror auch noch funktioniert und man als Zuschauer diese Beklemmung der Protagonisten wahrlich spürt.
Nichtsdestotrotz und egal wie stark dieser Film auch ist und wie stark die kommenden, die aus diesem Projekt hervorgehen werden auch sein mögen, nichts, aber auch gar nichts kommt an einem guten Horrorbuch bei Kerzenschein, einem Glas Wein oder wahlweise Whisky, gleich.

Lovecraft, Horror