Wo nicht nur Späne fallen, da wird auch nicht nur gehobelt

Kleine Randnotiz zum deutschen Amtsschimmel in Anbetracht der Integrationsdebatte

Ich bin mir sicher, dass sich das Bundeskanzleramt manche Rüge vom BDI aufgrund einer fehlenden Einwanderungspolitik eingefangen hat, denn die Forderungen danach konnten seitens der deutschen Wirtschaft in den Medien vehement und vernehmlich gehört oder gelesen werden.

Unternehmer schätzen hoch motivierte Arbeitskräfte und die finden sie gerade auch unter den Geflüchteten, weshalb auch die Wirtschaft, die Flüchtlingspolitik des Bundeskanzleramtes begrüßt. Natürlich schätzt die Wirtschaft auch, wenn es auf dem Arbeitsmarkt Konkurrenz gibt bzw. sich die Personalleiter von Betrieben die besten Bewerber*innen aus dem Pool der Arbeitssuchenden aussuchen können, wenn sie also Auswahl haben. Doch damit sah es in den letzten Jahren aufgrund dessen, da auch viele Facharbeiter*innen aus Deutschland auswanderten und die demografische Entwicklung nicht auf Babyboom hindeutete, ehr schlecht aus.

Umso kritikwürdiger ist die Politik des BAMF gegenüber Dramane Diarra, der am 21. Dezember 2014 aufgefordert wurde, Deutschland mitsamt seiner Familie innerhalb von 30 Tagen zu verlassen. Für Diarra, der seit September 2014 im Glonner Autohaus Maier als Mechaniker arbeitet und sich gut integriert hat, brach die Welt der Integration kurz vor den Weihnachtsfeiertagen jäh zusammen. Er hat nicht nur deutsch, sondern auch bayrisch gelernt und wohnt mit seiner Familie in der oberbayerischen Kleinstadt Kirchseeon. Seine beiden Kinder Lehla (3) und Mohamed (2 Monate) sind dort geboren. Er selbst flüchtete mit seiner Ehefrau aus Libyen, nachdem diese mehrfach von sogenannten Rebellen vergewaltigt worden war. Während des Bürgerkrieges in Libyen wurden Schwarzafrikaner regelrecht gejagt, beraubt und viele von ihnen ermordet. Einige Länder Afrikas hatten militärische Joint Ventures mit Gaddafi und so dienten auch viele Schwarzafrikaner in der libyischen Armee. Aber dies war nur ein sehr kleiner Teil. Die meisten arbeiteten hart in der Industrie und Landwirtschaft. Doch in der Zeit des Bürgerkrieges wurden alle Schwarzafrikaner*innen unter Generalverdacht gestellt, für Gaddafi zu sein und als Feinde betrachtet. Deshalb mussten sie flüchten.

Auch in Mali, dem Herkunftsland von Dramane Diarra findet ein Krieg statt, der demnächst stärker als bisher auch von der Bundeswehr unterstützt werden soll. Diarras Ehefrau ist in Libyen aufgewachsen und war noch nie dort und seine dreijärige Tochter spricht besser deutsch als französisch (Amtssprache von Mali).

Da Dramane Diarra bei seinen Arbeitskolleg*innen und auch der Geschäftsführung sehr beliebt ist, wollen sie sich für ihn einsetzen und haben ihm das Geld (500 €) für einen Rechtsanwalt gespendet, damit er juristisch gegen den Ausreisebefehl vorgehen kann. Die Wirtschaft wendet sich in diesem Fall gegen den Staat. Das ist ein gutes Zeichen.

Schlecht allerdings ist das Verhalten des BAMF für alle, die sich in Deutschland eine Perspektive erhoffen, denn solch ein Verhalten der Behörde verunsichert und entmotiviert viele. Da wird von Politikern Integrationsbereitschaft gefordert, aber jene, die dies gemacht haben, werden abgeschoben. Dies ist tatsächlich absurd und eine Sabotage an gut gemeinter Integrationspolitik. Diese soll lt. dem deutschen Innenminister wieder auf der Einzelfallprüfung basieren. Dann aber bitte mit Weisheit und Rücksicht sowie bedächtiger Vorsicht auf die Auswirkungen von Entscheidungen.

Die Wirtschaft aber täte gut daran, Stiftungen zur Förderung von Geflüchteten und insbesondere zur Subventierung des Wohnungsbaus zu gründen. Dies, weil Wohnungen zur Reproduktion der Arbeitskraft nun einmal notwendig sind.

Herzlichen Dank an Josef Ametsbichler für seinen Artikel!

Flüchtlingsdebatte

http://www.merkur.de/lokales/ebersberg/glonn-assling/glonn-umsonst-integriert-6001214.html

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