Woher kommt das Böse?

Sadismus, Wahnsinn, sinnlose Gewalt – all das kommt irgendwo her. Das nehmen wir jedenfalls an, denn sonst würden wir ja verrückt werden. Nichts Geringerem als den Wurzeln des Bösen geht Faye Hell in ihrem verflucht vielversprechenden Debütroman auf den Grund. Und kommt ihm teils verstörend nah.

Nicht mehr als schrecklich schöne Spielzeuge sind die Menschen für das Böse, so scheint es beim Lesen des mit viel garstigem Witz gewürzten Schockers. Mal elegant umspielt, mal zwischen den Zeilen schwelend und mal äußerst explizit ist das Böse bei Faye Hell vor allem eins: Immer da, immer nah.

Auf den Spuren der Altvorderen wie Poe, King und Co. geht Miss Hell leichtfüßig ihren ganz eigenen Weg durch das dunkle Labyrinth moralischer Verirrungen. Schuld, Buße und epische Gerechtigkeit sind Eckpfeiler des unheimlichen Hotels, in dem das Schicksal der insgesamt fünf Hauptfiguren seinen gnadenlosen Lauf nimmt.

Die psychologisch ausgefeilten, plastisch gezeichneten Charaktere erweisen sich schnell als wesentliche Stärke des Romans. Niemand, nicht mal der Grausamste, ist von Natur aus grausam, erzählen uns die Charaktere. Das Böse hat seinen Ursprung im Menschlichen. Es kann jeden (be-)treffen, auch die Guten. Wir Horrorleser*innen wollen es sehen, wir wollen wissen, woher es kommt, und Faye zeigt es uns ganz genau, indem sie ihre Figuren genüsslich vor uns seziert und die Verbrechen und Traumata ihrer gestrandeten Existenzen Stück für Stück freilegt. Ihr dabei zuzusehen, macht einfach Spaß. (Na ja, je nachdem, was man so unter Spaß versteht, versteht sich^^)

Zartbesaiteten und solchen, die bei Wörtern wie „Fotze“ schon die Krise kriegen, sei allerdings geraten, lieber die Finger von diesem finsteren Machwerk zu lassen. Denn Faye Hell macht hinter dem F keine Sternchen und scheut sich weder in Sachen Gewalt, noch in Sachen Sex (beides erleben wir hier gern in fataler Korrelation..) vor deutlichen Bildern und schonungsloser Sprache. Beides gerät aber nie zum Selbstzweck, und das ist in der heutigen, oft sehr splatterlastigen Horrorliteratur eher eine Seltenheit. Nicht nur deshalb ist diese sinistre Lady namens Faye Hell eine erfrischende Bereicherung für das Genre, was ihr zurecht eine Nominierung für den Deutschen Phantastik Preis eingebracht hat.

Faye Hell - Keine Menschenseele, Horrorliteratur

http://www.deutscher-phantastik-preis.de/

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