You can run, but you can't hide

Es gibt sie also doch noch, die wirklich coolen Horrorvisionäre! Nachdem die letzten Kinojahre in Sachen Grusel vor allem mit mehr oder weniger gelungene Sequels, Prequels und Remakes langweilten, setzt „It follows“ endlich mal wieder neue Impulse.
Die Teeniehorror-Genrekonventionen lässt Regisseur David Robert Mitchell mal ganz lässig links liegen und erzählt in schwül-nostalgischen Bildern einen amerikanische Alptraum, stimmigerweise angesiedelt im krisengeschädigten Detroit. In der malerisch verfallenden Kulisse werden Jay (Maika Monroe) und ihre Freunde von einem mysteriösen „It“ verfolgt. In verschiedenster Menschengestalt schleicht es sich an die Kids heran, versucht sie zu verletzen und bringt früher oder später den Tod. Es ist nicht schnell, aber man kann ihm nicht entkommen. Man kann den ominösen Fluch nur an jemand anderen weitergeben - indem man mit ihm schläft...
Dank hervorragender Kameraarbeit ist man dicht dran an den Teenagern und ihrer Gefühlswelt, Paranoia und Beklemmung übertragen sich eins zu eins. Die Charaktere sind - nicht unbedingt genretypisch - authentisch, fein gezeichnet und sensibel dargestellt. Besonders mit der verfolgten Heldin Jay sympathisiert man sofort, wozu die starke Schauspielleistung Maika Monroes einiges beiträgt. Die Schauspielerin und professionelle Kiteboarderin kommt (wie auch der ganze Film) ohne hysterisches Gekreische aus, ist sexy, ohne billig zu wirken, und könnte nach dieser Performance glatt als neue Chloë Sevigny gehandelt werden. Man kann nur hoffen, Monroe in Zukunft öfter in solchen hochwertigen Produktionen zu sehen. Auch die anderen Figuren sind facettenreich und gut besetzt.
Es gibt ein paar originelle Schockmomente, die lange nachwirken, die Atmosphäre ist dicht aufgeladen mit beunruhigenden Traumsymbolen und dem genial-fiebrigen Electro-Score des Games-Komponisten Disasterpeace und zerrt von Anfang an kräftig am Nervenkostüm. Eine weitere Stärke des Films ist der Mut, Dinge im Vagen zu lassen und nicht alles erklären zu wollen, sodass das Grauen bis zum Ende nicht an Wirkung verliert.
Ganz nebenbei ist „It follows“ nicht nur ein Horrorfilm, sondern auch ein Film, der echte Freundschaft feiert und damit auch ein Stück weit an die Tradition amerikanischer Jugendklassiker wie „Breakfast Club“ und „Stand By Me“ anknüpft. Und ja: auch „It follows“ hat das Zeug, zum Genreklassiker zu werden.

It follows

https://www.youtube.com/watch?v=K_zZSNB2_8w