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Zahnarzt tötet Löwe, Shitstorm folgt

Shitstorms können sich rasant entwickeln und sind meistens unvorhersehbar. Ein Wörtchen zu viel oder zu wenig im Rampenlicht, eine falsche Entscheidung, und der Hass der Massen
entlädt sich über der Person oder Organisation, die von Schicksal und sozialen Medien als Schlachtvieh der Woche auserkoren wurde.

In manchen Fällen fragt man sich aber eher, wie die Beteiligten denken konnten, sie hätten bestimmt keine negativen Konsequenzen zu fürchten; zum Beispiel bei Walter Palmer aus Bloomington, Minnesota.

Der erfolgreiche Zahnarzt geht gerne jagen, und das auf der ganzen Welt. Am liebsten benutzt er dafür, ganz Naturbursche (vgl. z.B. Putin, Wladimir), ein hochmodernes Pfeil-und-Bogen-System. Um den 6. Juli 2015 herum war Palmer unterwegs in Zimbabwe. Mit der Hilfe von lokalen Guides wollte er auch hier auf die Jagd – natürlich keine Vögel oder Kleintiere, sondern „big game“, Großwild.

Im Hwange National Park in West-Zimbabwe lebte indessen ein 13-jähriger Löwe namens Cecil. Mit seiner schwarzen Mähne und einem relativ relaxten Verhalten gegenüber Menschen war der Löwe ein klarer Publikumsliebling und nach Aussagen von Wildhütern bekannt in ganz Zimbabwe.

Da das Jagen und Töten von Tieren innerhalb des Parks verboten ist, nutzte Palmers Gruppe eine zweifelhafte Strategie: Mit dem Duft eines toten Tieres als Köder wurde Cecil so weit gelockt, dass er sich außerhalb der Park-Grenzen befand. Prompt nahm Palmer seinen Bogen und schoss auf den Löwen. Das brachte diesen indes nicht direkt um; rund 40 Stunden mussten die Jagdgruppe auf Cecils Fährte bleiben, bevor sie das Tier, ironischerweise, mit einem Gewehrschuss erlegen konnten.

Obwohl Palmer nun beteuert, er hätte nicht gewusst, welchen illustren Löwen er da tötete, entlädt sich jetzt ein Shitstorm über ihm und seiner Zahnarztpraxis. Facebook und Telefon sind längst abgeschaltet, und die Yelp-Reviews des einst hochgelobten Doktors sind auf einen von fünf Sternen abgerutscht. Darüber hinaus muss Palmers Jagdgruppe mit rechtlichen Schritten rechnen.

Die Tendenz von Shitstorms, scheinbar „normale“ Menschen in der Anonymität des Internets zu Extremist/innen werden zu lassen, offenbart sich auch an diesem Beispiel: Palmer erhielt bereits Tausende Todesdrohungen und wäre vermutlich gut beraten, wenn er die Öffentlichkeit in der nahen Zukunft größtenteils meiden würde.

Shitstorm

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/africaandindianocean/zimbabwe/11767119/Cecil-the-lions-killer-revealed-as-American-dentist.html