Zedd wird überbewertet

Seit einigen Jahren ist Anton Zaslavski alias “Zedd” Deutschlands elektronischer Exportschlager Nummer 1. Ich bin auf zum ersten mal 2012 mit der Veröffentlichung “Spectrum” [ https://www.youtube.com/watch?v=IsuVMdnF8A0 ] auf den in Russland geborenen Kaiserslauteraner aufmerksam geworden. Der Song überraschte mich mit verspielten Melodien in einer für mich neuen artigen Kombination aus Electro House und Dubstep. Auch Clarity (s. Video) war natürlich ein Kunststück, lebt aber meiner Meinung nach zu 60% von der unglaublich guten Gesangsmelodie (wer hätte gedacht, dass ich das als “Non-Vocal” Verfechter mal sage) und zu 40% Prozent vom wilden Synth-Arpeggio im Refrain. Die zwanghaft eingezogenen Bass-Drops finde ich eher nervig, genauso wie die Male Choirs Synth, von denen die Melodie begleitet wird. Ein paar tiefe, großflächige Strings hätten es hier auch getan.
Die Nachfolge-Single “Stay the Night” [ https://www.youtube.com/watch?v=i-gyZ35074k ] ist für sich gesehen sicher ein solide produziertes und zurecht erfolgreiches Musikstück. Für mich wird es aber immer nur “Clarity 2.0” bleiben. Bei Fortsetzungen ist es in der Musik wie beim Film: Sie sind irgendwie ganz nett aber können nie zu 100% das Feeling des ersten Teils zurückbringen. Es kommt nur ganz selten vor, dass jemand mal den musikalischen Terminator 2 landet. Die Melodie von “Stay the Night” ist mir jedenfalls ein bisschen zu sehr “Happy Trance” und der Gesang von Hayley Williams (Paramore) kommt gegenüber der Vorgängerin einen Tick schwächer rüber.

Nach den 3 erfrischenden Singles zum Auftakt gab es darauf in Zedd’s Diksographie Up’s und Down’s. “I want you to know” mit Selena Gomez [ https://www.youtube.com/watch?v=X46t8ZFqUB4 ] gehört dabei erstaunlicherweise zu den klaren Up’s. Ich habe aber zugegebenermaßen den Anschluss verloren, als einige Sachen herauskamen, die so gruselig waren, dass ich sie nach dem ersten Refrain ausstellen musste. Ein Beispiel dafür ist “Beautiful Now” [ https://www.youtube.com/watch?v=n1a7o44WxNo ] (“Ba ba ba baba ba ba ba …” Oh mein Gott, ERNSTHAFT??!). Insgesamt sehe ich bei Zedd’s Entwicklung als Producer aber eher eine absteigende Tendenz. Die ersten Tracks waren noch gespickt von innovativen und gewagten Synth-Lines, dagegen sind die meisten der neuen Tunes eher gemäßigt und massenkompatibel. Das scheint wohl an dem von mir schon einmal erwähnten “Calvin Harris - Phänomen” zu liegen: Sobald die europäischen Dance-Acts auch in den Vereinigten Staaten Bekanntheit erlangen, wird eben nur noch produziert, was auch in den dortigen Clubs funktioniert. Solange der EDM-Hype dort anhält, wird die Szene deswegen wohl weiterhin dominiert von Mitgröl-Melodien, US-Popstar-Vocals und natürlich jeder Menge Bass-Drops. Ich bin gespannt ob Zedd uns da vielleicht bald mal wieder positiv überraschen kann.

Zedd, EDM, Electro-House, Great DJ?

https://www.youtube.com/watch?v=IxxstCcJlsc

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