Zeit ist reichlich knapp vorhanden

Ihr kennt das Gefühl sicher auch. Man arbeitet die meiste Zeit und ist hinterher kaum noch zu etwas in der Lage. Dann ist Wochendende und plötzlich hätte man Zeit, aber sie rast so schnell, man bekommt sie kaum zu packen und schon ist wieder Sonntagabend. Man hat so viel vorgehabt, doch kaum etwas davon erledigt. Ich stecke oft in so einem Sumpf fest und dann werde ich häufig ein wenig niedergeschlagen und auch sauer. Die Zeit, sie reicht zum Leben nicht. Nur noch zum Existieren. Aber das ist schon ein wenig ein Trugschluss und eine Sackgasse.

Wenn ich's dann recht bedenke bin ich nicht so sehr vom Schicksal geschlagen, sondern schlicht und ergreifend faul. Undiszipliniert. Ich weiß das inzwischen, doch warte ich noch immer darauf, dass es Disziplin endlich in Tüten in der Drogerie nebenan zu kaufen gibt. Rein theoretisch sieht die Welt zeitlich nämlich gar nicht so eng aus. In der Regel. Was Zeit kostet ist das "In die Gänge kommen". Wenigstens bei mir. Hier mal ein paar Rechenbeispiele:

Du bist ein unordentliches Schwein, findest aber nicht genug Zeit um richtig aufzuräumen? Dann sieh mal her. Ab jetzt entsorgst du anfallenden Müll sofort und räumst jeden Tag nur 15 Minuten auf. Mehr nicht. Das kommt dir lächerlich vor? Ist es nicht. Hältst du dich dran, entspricht das nach einer Woche fast zwei Stunden, die du ausschließlich in Aufräumen investiert hast. Das sind im Monat sieben Stunden. Sieben Stunden sind eine Menge und ich vermute doch recht effektiv.

Oder

Du willst ein Buch schreiben, hast aber das Gefühl du kommst kaum dazu? Das musst du auch gar nicht. Nur eine Manuskriptseite am Tag. Oder eine Halbe. Das wären ein bis zwei Taschenbücher im Jahr! Aber wieviele Jahre schiebst du dieses Ansinnen schon mutlos vor dir her, in der Fehlannahme, dass Kleinvieh keinen Mist macht und du nie fertig wirst?

Oder

In deiner Hosentasche ist immer etwas Kleingeld. Sortiere die unnützen 1-Cent, 5-Cent und 10-Cent Münzen regelmäßig aus und schmeiß sie in ein Einmachglas. Am Ende des Jahres brauchst du einen Kran, um den Oschi auf die Bank zu hieven. Und du hast ein nettes zusätzliches Weihnachtsgeld, das mindestens für einmal ordentlich Sushi reicht. Allerdings sollte deine Bank so einen praktischen Münzzähl-Automaten haben. Äh…, was hat das jetzt mit dem Thema zu tun? Ach ja. Zum Rollen haben wir was nicht? Zeit!

Oder

Du bist lesefaul, würdest aber gerne belesener sein. Lesefaulheit und Belesenheit schließen sich nicht aus. Verrückt? Ähnlich wie beim Bücherschreiben musst du nicht viel Zeit investieren. Sagen wir du liest lausige zehn Buchseiten am Tag. Das schaffst du locker auf dem Pott, weswegen da auch immer Lektüre ausliegen sollte. Zehn Seiten am Tag entsprechen etwa 3000 Seiten im Jahr. Ein durchschnittliches Buch hat etwa 300 Seiten. Wenn du dich daran hältst schaffst du bei gutem Stuhlgang also zehn Bücher im Jahr. Das ist mehr, als Viele in zehn Jahren lesen. Das wären in einem durchschnittlichen Leben 500 Bücher. Und das mit praktisch Null Aufwand. Das finde ich beeindruckend.

So gesehen müsstest du also nur eine Stunde täglich investieren, um nach fünfzig Jahren ein recht belesener Buchautor zu sein, der sehr sauber wohnt, eine hervorragende Peristaltik pflegt und sich ziemlich gut mit Sushi auskennt! Wäre das nicht wünschenswert?

Ist natürlich alles sehr naiv dahin gedacht, aber es soll vor allem dazu dienen, nicht zuletzt MIR endlich klar zu machen, dass Zeit durchaus vorhanden und das Leben so kurz auch wieder nicht ist. Aber natürlich scheitere ich trotzdem weiterhin sogar am Minimalaufwand.

15 Minuten. Eigentlich stecken da viel Schaffenskraft drin. Aber wie soll ich das nur jemals begreifen?

Prokrastination

https://youtu.be/rhNtSU8ubf0

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