"ALIEN: Convenant"

Ein paar wirre Gedanken. Kein Review.

Früher, ja früher waren Alien-Filme gehobene Phantasmagorien auf technisch beeindruckendem Niveau. Existentialistischer Horror Freudianischer Prägung, in einem futuristischen Setting, dessen Hauptattraktion aber das Biest blieb, das Biest mit den vielen Gesichtern oder Metamorphosen. Sozusagen ein cooles Monster in einem anspruchsvollen Drumherum. Dass der erste Film im Prinzip ein Slasher-Film war, mit dem charakteristischen Bodycount eines solchen und die Fortsetzungen der nächsten beiden Jahrzehnte mehr oder weniger auch, machte sie in ihrer simplen aber einfallsreich garnierten Grundstruktur zum Horror, der gleich ins Blut ging. Ein geheimnisvoller Organismus, der zunächst nicht so recht greifbar schien und mehr mit einem Gespenst gemein hatte, mit einem Dämon, der unsere Albträume bewohnt.

Aber irgendwann lernt man dieses "unbekannte" Wesen halt dann doch besser kennen und sein Schatten schwindet. Also bemühen sich nun die Prequels von Ridley Scott um einen anderen Schwerpunkt, hinter den die Kreatur zurücktritt, verdammt dazu, nurmehr als McGuffin zu fungieren. Entsprechend nebensächlich, wenn auch immer sehr dramatisch in Szene gesetzt, wirkt sie jetzt. "Frankenstein" war der moderne Prometheus. Die letzten beiden "Alien"-Filme sind moderne "Frankenstein"-Filme. Der Mensch kreiert darin ein Frankenstein-Monster, nämlich den Androiden und der wiederum erschafft die Xenomorphe.

Es ist ein Götter-Drama aus der Zukunft, entsprechend poetisch aufgeladen in den Szenen mit Fassbender, der dem Film schon den Geist einer griechischen Tragödie einhaucht. Als wenn man Data aus "Star Trek" mit Frankenstein gekreuzt hätte. Im Gegensatz dazu die echten Menschen im Film, bewährt plump, unvorsichtig und sich kaum zu schade für dummes, bis peinliches Gewäsch. Die Szenen mit Fassbender hingegen sind wie aus einem mythologischen, klassischen Epos, die mit der Crew reudig und schmucklos. Der dumme Mensch als Initiator einer unbeabsichtigten Götterdämmerung. David (Fassbender) liebt Richard Wagner und Byron. Er sieht sich als Gott, als Kreateur künftiger Zivilisationen. Dazu muss er aber noch forschen und probieren. Gut, dass ihm hierzu letztlich ein Schiff mit reichlich Forschungsmaterial in den Schoß fällt.

Philosophisches hin oder her, ich kann nicht behaupten, dass ich die Szenen mit Fassbender nicht genossen hätte. Als Fan von "Alien" und "Aliens" freilich vermisste ich jedoch ein wenig die Art und Weise, wie die alten Filme die Kreatur in den Mittelpunkt rückten, ohne es zu entmystifizieren. Dort war das Weltall kälter und dunkler, die Viecher schälten sich gekonnter aus den Schatten und Winkeln der Kulissen, beziehungsweise unseres Unterbewusstseins, und verschwanden auch wieder dort. Sie boten genug abstrakten Schrecken, um für geiles Horror- und Action-Kino zu sorgen. Die Filme waren sozusagen exzellente Geisterbahnen, mit dem Anspruch zu unterhalten, garniert mit interessanten Anreizen zum Grübeln. Weniger religiös aufgeladene Abhandlungen zur Frage nach dem Weshalb und Woher. Ich mag das nach wie vor lieber. Unterhalte mich und gib mir was zum Sinnieren für den Heimweg. Aber wenn alle Fragen mehr oder weniger beantwortet werden, dann schwindet der Horror.

Die alten und die neuen Filme sind aus völlig unterschiedlichem Holz geschnitzt. Man hätte die Xenomorphe auch austauschen können, mit einer anderen monströsen Bedrohung. Oder weglassen. Dann wäre wohl eine Art "Blade Runner" daraus geworden. Oder was weiß ich. Gelangweilt aber habe ich mich nicht. Und die dümmliche Crew der Convenant brachte mich ab und zu zum Schmunzeln. Na ja.

Science Fiction, Horrorfilm, Religion, Philosophie

https://youtu.be/svnAD0TApb8

Anzeige: