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Alm-Öhi mit dem Schießgewehr

Ein paar wilde Gedanken zu dem "Expendables"-Franchise von und mit Stallone.

Hätte auch nicht gedacht, dass ich zu den Streifen mal etwas schreiben würde. Aber zuletzt hatte ich doch überraschend meinen Spaß mit dem Zeug. Ich habe den zweiten Film damals sogar im Kino gesehen und fühlte mich nicht schlecht unterhalten erinnere ich mich, aber Liebe war es da noch nicht. Liebe ist ein großes Wort. Ist es inzwischen Liebe? Wohl eher eine Form spätpubertärer Verschossenheit. An zwei Abenden habe ich jetzt die ersten beiden Teile weggekuckt und wieder hatte ich meinen schuldigen Spaß.

Als Kind der 80er gehörten Stallone & Co. zu den verheißungsvollen, verbotenen Früchten, zu denen sich ein eigentlich noch nicht im geeigneten Alter befindlicher Kinogänger hingezogen fühlen musste. Das war der heiße Scheiß, der für coolen Gesprächsstoff auf dem Schulhof sorgte. Auch weil die wenigsten es zunächst schafften seiner ansichtig zu werden. Jugendschutz und so. Aber es gab schon Videokassetten. Und manchmal nachlässige Kartenabreißer in Kinos. Dort habe ich zu jung auch schon "Rambo II" abbekommen. Ich kann mich während der Werbung noch des Gefühls des Ausgeliefertseins entsinnen, so wie in der Warteschlange einer mörderischen Achterbahn. Man kann nicht mehr zurück, ohne Gesichtsverlust. Man freut sich. Und man fürchtet sich. "Rambo II" hatte einen üblen Ruf. Also einen exquisiten. Bei uns Kids. Deswegen sind die ersten beiden Rambo-Vehikel auch in lieber Erinnerung. Zunächst war es einfach Liebe aus Mangel an Sackhaaren. Daraus wurde irgendwann Ablehnung, weil das Zeug ja doof ist. Schließlich wieder Zuneigung aus ironischer Distanz und der erwachten Freude am extravagant Schlechten. Und heute ist da noch tüchtig Zuckerguss aus der Tube der Nostalgie mit dabei. Wobei "Rambo - First Blood" tatsächlich gut ist. Ein Klassiker. Nicht nur aus den falschen Gründen. Ich erinnere da auch zahllose Sichtungen (beider Teile) bei einem Schulkameraden nach der Schule. Heimlich. Bevor seine Eltern heimkamen. Immer Freitags.

Doch zurück in die Gegenwart. Die alte Action-Garde ist physisch noch beeinduckend gut in Schuss, mit grotesken, auf jünger getrimmten, gelifteten Visagen, deren Behaarung wie Haarersatzteile aus dem Faschingsbedarf anmutet. Das alleine lohnt schon. Sie kommt auf niedliche Weise nicht ganz durch mit ihrem "Junggeblieben-Gegockel". Einerseits spielen sie ab und an selbst bewusst amüsant auf das Altwerden an, andererseits wirken die Darsteller durch die etwas zu ehrgeizigen Verjüngungsmaßnahmen, unter anderem aus dem Makeup-Koffer, ein bisschen mitleiderregend bei Closeups, weil so ganz dazu stehen kann man dann scheinbar auch nicht. Es sind großteils halt echt schon betagte Herren. Das macht die Filme finde ich doch sympathisch. Wie ein Lasertag-Treffen von Altenheimbewohnern. Ein bisschen lächerlich, aber auch gerade deswegen "badass". Dass man sich das noch traut.

Die thematisierten Unbilden des Alterns sind den meisten Darstellern deutlich in die Gesichter gemeißelt, mit sämtlichen Verwüstungen, die der medizinische Kampf gegen den unabwendbaren Verfall hinterlässt. Gerade Stallone, Van Damme und Norris, die in Aktion und aus der Distanz noch jugendlich wirken, verwandeln sich aus der Nähe fast schon in Dragqueen-Diven einer längst vergangenen Epoche, die aus sehr müden Augen kucken, wenn sie mal die segensreichen Sonnenbrillen abnehmen. Wobei Stallone eigentlich schon immer so kuckt. Aber da ist auch stets so ein mumifizierter, leiser Schrecken in seinen Zügen, als ob er sich schon vor den Zeiten zwischen Dreharbeiten fürchtet, die ihn wieder auf sein Altenteil schicken.

Das pausenlose Spiel mit reaktionärer, asozialer Dumpfheit, das von Slys (groß)väterlichen, fast deplatzierten Kommentaren konterkariert wird, erlangt trotz der optisch recht deftigen Splattereinlagen gerade durch diese Fürsorglichkeit so etwas krankhaft Unschuldiges. Das muss man mögen. Das geht nur in Klamotten. Was diese Filme sind. Er kennt seine "Boys" genau, weiß was sie brauchen und führt sie mit dem Sanftmut einer soziopathischen Überoma in die Schlacht.

Wie in den 80ern wird hier Alpha-Männlichkeit gefeiert und zelebriert. Daran ändert  auch die eine oder andere Quoten-Frau im Team nichts. Selbstverständlich jung und ansehnlich. Aber ähnlich, wie der Ausnahme-Abrissbirnenklassiker "Commando" mit Arnie, ist man sich doch der Infantilität und verkappten Homoerotik bewusst, was immer wieder für entsprechende Zoten zwischendurch sorgt. "Commando" war ja damals schon eine lustvolle Auseinandersetzung mit diesen Elementen und machte ihn zur heimlichen Persiflage, deren überspitzte, reaktionäre Gangart trotzdem einen halbwegs intelligententen Geist hinter den Kulissen vermuten ließ. Und irgendwie verorte ich die "Expendables"-Filme ebenfalls dort.

"Expendables", das ist Spaß an brutalen Albernheiten und äußerst grob gehaltenen Klischees, die sich in ihrem Anachronismus behände selbst enthaupten und heute eigentlich zum Liebhaben einladen. Wenn man auf so etwas steht. Und ein Kind der 80er ist. Schön auch, wie jede der ganz alten Größen des Action-Kinos super cheesy eingeführt wird und ihren Spruch aufsagen darf. Das ist so schlecht und gleichzeitig lieb, dass ich die Lachtränen kaum noch zurückhalten konnte. Chuck Norrisens Auftritt im zweiten Teil mag ich am liebsten. Dabei ist das auch nicht besser oder schlechter als damals. Aber Alter adelt. Und macht Opa putzig. Ein bisschen.

Habe den dritten Film noch nicht gesehen, aber ich gehe mal stark davon aus, dass der auch nicht groß anders sein wird, als seine beiden tollwütigen Vorgänger.

Plump, schmalzig und fragwürdig. Also großes Kino.

The Expendables, Action, Stallone, Retro

https://youtu.be/TVRttaaYLq4