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Aufbruch ins Ungewisse - Die furchtbare Welt aus Sicht der Öffentlich-Rechtlichen

Heute mal eine Filmkritik von mir. Es passiert ja selten, dass ich mich mit bewegten Bildern so intensiv befasse, dass ich dazu hinterher einen Text in die Tasten hämmere. Aber bei diesem Thema bietet sich das an, denn was in dem Film „Aufbruch ins Ungewisse“, der an einem prominenten Sendeplatz um 20 Uhr 15 an einem Mittwoch in der ARD gezeigt wurde, als Zukunftsvision vorgestellt wurde, hat eine politische Dimension, die in die aktuelle Realität hineinwirkt. Aber gut, in der Fiktion, und als solche stellte sich die Geschichte dar, sind die Gedanken frei.

Es wird ja allenthalben von einem Wiederaufkommen der Nationalstaaten gewarnt. Wenn man dieser Denkschule folgt, ist die Handlung realistisch. Wenn man dieser Denkschule nicht folgt, und das trifft auf mich zu, wirkt die Handlung eher abstrus. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass in Deutschland und anderen Staaten Europas Rechtspopulisten an die Macht kommen, das komplette öffentliche Leben ihrer Kontrolle unterwerfen, die Pressefreiheit abschaffen, Menschen ohne Gerichtsurteil ins Gefängnis werfen und die Familien von Flüchtigen in einer Form von Sippenhaft in die Verantwortung nehmen. Hier wird die Schreckensvision einer rechten Diktatur in einer Konsequenz fortgeschrieben, die das Vorbild des Dritten Reichs teilweise noch übertrifft. Aber, wie gesagt, die Gedanken sind frei, und zum Zwecke der Handlung ist diese Schreckensvision als Grundlage halt nötig.

Die Flucht selbst kommt in der Handlung nicht vor. Die Familie verlässt die Wohnung und lässt den Kater alleine zurück, und als Nächstes sieht man, wie sie auf einem überfüllten Schlauchboot vor der namibischen Küste auf den Wogen schaukelt. Wie sie dahingekommen ist, ist scheinbar uninteressant. Durch eine Panikreaktion der Personen an Bord des Schlauchboots kommt es zum Unglück, und als sich die Familie an Land wiederfindet, fehlt ein Kind, das, wie sich gegen Ende des Films herausstellt, ertrunken ist. Zur Vergrößerung des Unglücks befindet sich die Familie nicht im Zielland Südafrika, sondern in Namibia, das, wie in aller Unendlichkeit wiederholt wird, Deutschland als sicheres Herkunftsland einstuft und gnadenlos abschiebt. Dass sich die Mutter zum Zwecke der Suche nach ihrem vermissten Kind in Namibia registrieren lässt, führt schließlich dazu, dass die Familie in Südafrika keinen Asylstatus erhält.

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema der Geschichte. Im Grunde geht es bei diesem Fernsehspiel darum, dem deutschen Wohlstandsbürger den Spiegel vorzuhalten und ihm die Frage zu stellen, wie man denn so unmenschlich sein kann, nicht bei jeder Gelegenheit „Refugees welcome“ zu schreien, angesichts des Elends, das diese Flüchtlinge zu erleiden hätten. Im Grunde ist das auch eine gute Frage, beziehungsweise es wäre eine gute Frage, wenn die Grundsituation sich tatsächlich so darstellen würde, wie in dem Film dargestellt wird. Aber genau hier liegt das Problem, denn einige Punkte sind tatsächlich komplett überzeichnet. Den im Film dargestellten Verhältnissen mögen wahre Ereignisse zugrunde liegen, aber mit der heutigen Realität im Ganzen haben sie nichts zu tun. Noch nicht mal die AfD würde eine Entschließung befürworten, die darauf hinausläuft, tatsächlich politisch Verfolgte aus einer Diktatur wie, sagen wir, Nordkorea oder Iran dorthin zurückzuschicken, wo ihnen Verhaftung, Folder und Ermordung droht. Und dasselbe Problem stellt sich anhand vieler Details, in denen die Autoren scheinbar ihre eigenen Alpträume zu Papier gebracht haben, ohne sich tatsächlich über die Schlüssigkeit der Geschichte Gedanken zu machen.

Im Endeffekt habe ich mich tatsächlich für die Familie gefreut, als es ihr gelang, mithilfe eines fremden Kindes, das sie als ihren eigenen Sohn ausgab, einen befristeten Asylstatus in Südafrika zu erlangen. Wir befinden uns schließlich in einer Geschichte, mit feststehender Grundkonstellation, und in dieser Grundkonstellation ist dieser Schluss schlüssig. Niemand würde einem Menschen, der aus der Hölle kommt und durch die Hölle gegangen ist, die Freude einer wenn auch nur zeitweiligen Sicherheit missgönnen, und sei es durch eine bewusste Irreführung der Behörden. Dass es sich wirklich um eine Hölle handelt, steht hierbei außer Frage, weder im Film noch, regional begrenzt, in der Realität, und manchmal ist es notwendig, die Regeln zu brechen, um der Hölle zu entkommen. In der Hinsicht also kein Problem. Das Problem ist die angesprochene Grundkonstellation und die vielen Details, durch die diese Grundkonstellation dargestellt wurde. Warum tauchen in dem Film beispielsweise so viele Österreicher auf, die sich dann beklagen, dass sie reihenweise in die Heimat abgeschoben werden? Wurde Österreich inzwischen wieder an Deutschland angeschlossen? Wie kommen die Autoren auf die abstruse Idee, Südafrika zum Zielland verfolgter Europäer machen zu können? Und mit welchem Recht glauben die Autoren, beispielsweise durch eine erzählte Massenvergewaltigung einer verhafteten Redakteurin und andere im Flüchtlingslager erzählte Horrorgeschichten die erdachten Nazis schlimmer machen zu müssen, als die wirklichen Nazis jemals waren?

Und, was für mich die grundlegende Problemstellung ausmacht, ist dies wirklich das politische Weltbild, das in den Redaktionsstuben der öffentlich-rechtlichen Sender vorherrscht? Leben unsere Medienmacher wirklich in einem dermaßenen Verfolgungswahn, dass sie den Halbirren auf der rechten Seite des politischen Spektrums jede, aber auch wirklich jede Grausamkeit zutrauen? Wissen die Autoren nicht, dass das aktuelle Unrechtsregime Nr. 1 in der Welt in Nordkorea sitzt und sich den Kommunismus auf die Fahnen geschrieben hat, gefolgt von diversen Unrechtsregimen moslemischer Prägung? Haben die Redakteure vergessen, welches Regime auf deutschem Boden zuletzt Familien in die Verantwortung nahm und Kinder für die Taten ihrer Familienmitglieder leiden ließ, wenn diese mit oder ohne Erfolg versucht hatten, das Herrschaftsgebiet dieses Regimes zu verlassen? Das waren nämlich keine Nazis. Das waren Kommunisten, die im Osten Deutschlands einen Unrechtsstaat gegründet hatten. Scheinbar ist es viel zu einfach, so etwas zu vergessen.

Aufbruch ins Ungewisse

http://mediathek.daserste.de/FilmMittwoch-im-Ersten/Aufbruch-ins-Ungewisse/Video?bcastId=10318946&documentId=49823526