Bezahlter Unruhestand

Ich komme auf Ideen! Aber mal im Ernst. Letztens bin ich mit 'nem Kumpel ein Bierchen schütten gewesen und da kamen wir diesmal auf unseren Ruhestand zu sprechen. Ein bisschen verfrüht vielleicht? Ich möchte euch dennoch teilhaben lassen, so im Nachhinein.

Wir gelangten dabei schnell zu dem Schluss, dass totaler Ruhestand auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei sei. Klar, die Vorstellung bis rund Siebzig Vollzeit arbeiten zu müssen ist bitter und nicht schön. Andererseits, auf dem Abstellgleis in mehr oder weniger gesellschaftlicher Bedeutungslosigkeit zu ergrauen ebenso wenig. Entweder lauert dann nämlich Tod durch Verschleiß im einen oder Depression im anderen Fall. Wenn es schlecht läuft. Und wie oft hat man schon gehört, dass Menschen, die endlich den wohlverdienten Ruhestand antraten, schon nach recht kurzer Zeit den Löffel ins Korn schmissen. Da haben sich dann fünfzig Jahre Schuften echt voll gelohnt. Die Rentenversicherung freut das vermutlich.

Nicht jedem gefällt oder tut passives Dasein gut nach dem Erwerbsleben. Ich könnte mir daher vorstellen, dass es vielleicht nicht so verkehrt wäre auch im Alter nicht vollständig aus dem Arbeitsleben zu scheiden. Solange Gesundheit und Interesse mitspielen vesteht sich. Ich vermute das trifft durchaus auf nicht wenige zu. Vorausgesetzt die Bedingungen würden entsprechend angepasst und altersgerecht gestaltet.

Man könnte im Alter nach wie vor zwei Tage die Woche altersgerecht arbeiten finde ich oder vielleicht täglich entsprechend ein paar wenige Stunden. Wäre das so verkehrt? Man verdiente etwas zur mageren Rente hinzu und würde noch gebraucht. Dieses komplette Herausfallen aus dem Arbeitsleben hingegen erscheint mir nicht selten herzlos und brutal.

In Anbetracht der künftigen Situation auf dem Arbeitsmarkt - immer weniger Arbeitsplätze aufgrund technischen Fortschritts und der wachsende Anteil alternder Menschen in der Gesellschaft (Demographischer Wandel) -, brächte das doch nicht zuletzt ein wenig Entlastung für die sozialen Sicherungssysteme mit sich. Denn der Generationenvertrag wird kaum noch zu erfüllen sein, bei immer weniger jungen Menschen. Und es stiftet bei guter Organisation Lebenssinn für jene, die zwar alt sind, sich aber nicht alt fühlen.

Man könnte es zum Beispiel so gestalten, dass schon ab Vierzig oder Fünfzig die Reduktion an Arbeitszeit losgeht. Sagen wir ab Fünfzig hat man, so man das möchte, nur noch eine Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich. Ab Sechzig arbeitet man noch drei Tage und ab Siebzig ein oder zwei Tage, bis der Vorhang fällt. Im Idealfall. Ich, als ausgesprochener Freizeit-Fetischist, könnte mir trotzdem gut vorstellen, dass mir das taugte. Schon weil man dann auch in noch etwas jüngeren Jahren bereits in den Genuss von ein wenig mehr Zeit für sich käme. Und am Ende ist man sicher froh um eine Aufgabe, die über die Pflege des Familiengrabes und das einsame "verwitwete" Rumhocken hinausgeht.

Hobbys sind toll. Und sie machen oft nur Sinn im Wechsel mit beruflichen Verpflichtungen. Wer mal sehr lange Urlaub hatte, der weiß vielleicht, wie träge und antriebslos man werden kann, und wie sehr dann alles an Reiz verliert. Es wäre also ganz gut, noch ein paar Verpflichtugen professioneller Natur am Lebensabend zu haben. Um ein wenig das Salz in der Suppe zu halten. Was meint ihr?

Zusammengefasst ausgedrückt sind wir der Meinung, dass sich erst kaputtzuschuften, um dann ins absolute Nichts zu plumpsen, ein Ausdruck einer ziemlich falsch verstandenen Auffassung von dem ist, was Arbeit sein sollte. Wenn sie von vornherein weniger unterkühlt gestaltet würde, und Hand auf's Herz, das ist sie häufig, schmeichelfafte Umschreibungen wie "Ausbeutung" und so möchte ich mal weglassen, dann wäre die Vorstellung von lebenslanger Berufstätigkeit vielleicht auch gar nicht so abstoßend. Ich sehe da eigentlich mehr Vorteile als Nachteile. Und möglicherweise wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen zudem ein Element dabei, das einerseits die Organisation der Vergütung dabei erleichtert und andererseits die Arbeitgeberwelt dazu zwingt, ein wenig mehr auf die frommenden Aspekte von Arbeit schlechthin für Arbeiter und Angestellte zu achten.

Heute ist trotzdem nicht Sonntag.

Grübeln, Sinnieren und Tagträumen..., Ruhestand, Lebensabend, Arbeit, Demografischer Wandel

https://youtu.be/Jdf5EXo6I68