Black Mass (2015)

Einer meiner Lieblingsfilme ist "Good Fellas" von Scorsese. Weswegen mir "Black Mass" wohl ein wenig wie eine schmucklosere B-Version vorkam. Vielleicht auch, weil mich Johnny Depp als Whitey Bulger in seinem Makeup seltsam stark an Ray Liotta erinnerte? Er ist es, der den Film sehenswert macht. Sein Spiel ist diesmal weniger "Depp" irgendwie. Mag natürlich auch am ehrgeizigen Makeup und den Kontaktlinsen liegen, doch normalweweise schimmert der Acting-Style eines Darstellers ja doch durch noch so dickes Latex. Solange es Mimik zulässt wenigstens. Und Depp ist eigentlich immer Depp. Ob als Pirat oder Ed Wood. Aber in "Black Mass" hätte ich ihn tatsächlich nicht erkannt. Auch nicht aufgrund seines Spiels. Das kann man sich schon mal geben.

Den Film selbst fand ich passabel. Der restliche Cast ist ebenfalls mehr als brauchbar. Die Handlung wird recht trocken und klinisch erzählt und die bitteren und düsteren Augenblicke sind hübsch auf Wirkung getrimmt.

Whitey Bulger baut mit Hilfe des FBI seine Macht als Bostoner Gangsterboss weiter aus, weil Feinde manchmal mit Feinden Allianzen eingehen, um gemeinsame Feinde zu beseitigen. Hier die italienische Mafia. Das kratzt zwar am Stolz, aber Whitey hat das größere Ganze im Blick und zudem ein komplexes Gefühlsleben. Einerseits liebt er seinen Sohn und seine Frau mit einer beinahe schon hysterischen Hingabe, andererseits bestraft er Regelverstöße und Anmaßungen gegen seine Person eiskalt und nicht selten endgültig. Ob er da nun einen alten Jugendfreund abmurkst oder die geschwätzige Schwester eines Mitstreiters in dessen Beisein eigenhändig erwürgt, Whitey berührt das kaum. Danach legt er sich schonmal ein Stündchen hin, um für den Abend wieder fit zu sein.

Handwerklich ist alles gut. Es fehlt nur der Zauber und der bourleske Drive eines beispielsweise Scorsese-Films. Und die Momente, in denen er auf "Good Fellas" macht, sind zu offensichtlich genau das. Dazu beruht "Black Mass" auf wahren Begebenheiten, was je nach Anspruch den künstlerischen Freiraum eingeschränkt haben dürfte. Aber ich fühlte mich doch ganz gut unterhalten. Ohne diese Darstellerriege und vor allem ohne Depp wäre diese irische Salami womöglich nur eine halbe. Aber so ein "Eintopf" mundet ja machmal schon, wenn wenigstens zwei der Zutaten stimmen. Mit "Good Fellas" hängt die Messlatte auch verdammt hoch. Und eigentlich ist so ein Vergleich nicht wirklich angebracht. Eventuell haben mich dazu nur ein paar wenige gemeinsame Elemente verführt, die eher dieser Art von Film geschuldet sind. Jedenfalls gibt es sicher Schlechteres, das man kucken kann. Es bleibt nur nicht viel davon haften. Zumindest bei mir hatte der unterkühlte Streifen zu viel Teflon. Ich musste einen Tag darauf tatsächlich schon googeln, worum es nochmal gegangen war, um die Erinnerung an die Oberfläche zu spülen. Der Fluch des Mittelmaßes.

Johnny Depp, Good Fellas, Mafia, Gangster

https://youtu.be/CE3e3hGF2jc