"Das Herz von St. Pauli, das ruft dich zurück..."

2017 fand ich zurück nach St. Pauli. Ein sehr glücklicher Twist des Schicksals, der natürlich zünftig zelebriert werden wollte – im Rahmen der von mir im Sommer selbst ausgerufenen St. Pauli-welcome-back-Woche, die ich hier mit den besten Menschen verbracht habe (und die dann doch fast vierzehn Tage dauern sollte, aber das ist eine andere Geschichte).

Zu den Festlichkeiten gehörte jedenfalls auch mein sage und schreibe erster Besuch im Stadion, wo ich die Bekanntschaft mit der aus tausenden Kehlen geschmetterten Hans-Albers-Hymne namens „Das Herz von St. Pauli“ machte. Herrlich zu erleben, wie sich dabei den Jungens und Deerns um mich herum kollektiv die Körperhaare aufstellten, auch 1-2 Tränen sollen wohl in diesem heiligen Moment gesehen worden sein.

„Das Herz von St. Pauli, das ruft mich zurück, denn dort an der Elbe, da wartet mein Glück ...“ Hach ja ... Diese einfachen Worte voller Hanseatenromantik verfehlten auch an mir nicht ihre Wirkung, während ich in rauschender Andacht lauschte, still, weil ich den Text noch nicht kannte. Kurz dachte ich dabei an die Odyssee, die ich hinter mir hatte, an hässliche Zeiten und böse Geister, die nun endgültig in der Vergangenheit begraben sein sollten, dann mit einem Grinsen an die neuen Abenteuer, die mich hier (wieder) erwarteten. Und natürlich an das Spiel.

Und als ich später zurück in mein neues Zimmer kam und das Konfetti aus meinen Haaren auf den Boden schüttelte (wo es teilweise immer noch liegt), da war ich wieder zu Hause, endlich! Und diesmal bleibe ich auch. Obwohl es nicht nur schöne, sondern auch eher beunruhigende Ereignisse gab, die wir hier in diesem Jahr er- und überlebt haben. Auch, wenn manche was anderes behaupten.

Aber noch mal zurück ins Stadion und zum ominösen Herzen von St. Pauli: Für Zyniker*innen mag es wie ein kitschiger Hanseatenmythos klingen, andere mögen sich fragen, was das eigentlich genau sein soll - ein Stadtteil, ein Stadion, ein Fußballverein, eine Kneipe, ein Kult? Sicher. Aber meinen Beobachtungen nach ist und war es immer auch mehr, etwas Persönliches, das sich im Kollektiven wiederfindet: Ein Anker für die Rastlosen, ein Hafen für die Gestrandeten aus aller Welt, ein Herz für die mit den gebrochenen Herzen, zum Beispiel.

In den letzten Tagen des Jahres wollte ich mir mal die Sentimentalität herausnehmen, das alles so geradeheraus zu sagen. Wann sonst? Also, 2017, adieu und ahoi! Kommt alle gesund und gut gelaunt ins neue Jahr.

Mein Song 2017, St. Pauli, #FCSP

https://www.youtube.com/watch?v=4WrLduvBDB0