Das ungerechte Erbe des Präsidenten

Als 2008 der erste schwarze Präsident in das weiße Haus einzog, war Amerika ein hoffnungsvolles Land. Der Schatten der Altlasten wie die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen, das Gefangenenlager in Guantanamo und die gesellschaftliche Spaltung sollten überwunden werden. Eine schwere Bürde für den demokratischen Präsidenten und seine Regierung.

2017, Im Jahre des Amtsübergabe, stellt das amerikanische Volk nun aber desillusioniert fest, dass nur wenige der anvisierten Ziele erreicht wurden. Amerika führt soviele Kriege wie nie zuvor, Guantanamo ist weiterhin eine Festung des gebrochenen Rechts. Den Charakter eines Landes erkennt man daran, wie es mit seinen erklärten Feinden umgeht. Amerika foltert, tötet und missachtet die Würde des Menschen. Wenn ein demokratisches Land Menschen ohne Gerichtsverfahren bestraft, so bedarf es eigentlich einer internationalen Intervention im Interesse der Menschenrechte. Viele Regierungen sehen davon ab, geängstig von der Vorstellung politische Spannungen mit dem Mutterland der westlichen Demokratie zu provozieren.
Dennoch, das politische Amerika offenbart seinen infamen Charakter in dem bewussten Rechtsbruch.


Doch Obama scheiterte an dem Großmut seiner eigenen politischen Agenda und an der gescheiterten Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus. Die wohl größten Achillessehne des großen Redners, ist jedoch die Nichterfüllung seiner Verantwortung im Bezug auf den Friedensnobelpreis.
Der Preis war nicht für herausragende Verdienste vergeben worden, sondern er stellte einen Impuls dar, welcher Obama ermutigen sollte an einer besseren, weil gerechteren Welt zu arbeiten.
Diese Maßgabe wurde von dem ehemaligen Präsidenten zwangsläufig missachtet, da er an die Weisungen des Repräsentantenhauses gebunden ist.

Symptomatisch für die größte Problematik der selbsterklärten Wiege der Demokratie ist der 3. März 1991 in dessen Folge 53 Menschen den Tod fanden.
Um einer möglichen Haftstrafe zu entgehen, floh der afroamerikanische Rodney King durch das nächtliche Los Angeles, wurde jedoch geschnappt und von seinem Verfolgern durch Hiebe mit dem Schlagstock misshandelt.
Nachdem die Polizisten jedoch freigesprochen wurden, kam es zu gewaltsamen Protesten, die erst nach einem dreitägigen Horrortrip und zahlreichen Gewaltexzessen für die Bevölkerung beendet werden konnten.
Doch, auch wenn die Polizisten damals erneut vor Gericht gestellt und anschließend verhaftet worden sind, ist die amerikanische Gesellschaft immer noch mit den brüchigen Narben der jahrelangen Apartheid übersät.

Amerika ist seit also jeher ein Pulverfass der politischen Disparitäten. Deswegen war Obama für viele die Reinkarnation Martin Luthers und anderer berühmter Völkerrechtler. Ein Heilsbringer, der die Völker einen und Frieden stiften sollte. Eine Erwartung, welche man nicht erfüllen kann ohne die absolute Handlungsgewalt. Diese aber widerspricht dem demokratischen Ethos zutiefst und ist deshalb auch nicht wünschenswert.

Es wird also Obamas Qualitäten nicht gerecht zu behaupten er habe enttäuscht, wenn er keine andere Möglichkeit hatte zu enttäuschen. Die gesamte Welt mag sich vielleicht mehr erhofft haben vom Wirken des nun ehemaligen Präsidenten, aber am Ende repräsentierte der Amerikaner eben nicht die Welt wie von manchen erhofft, sondern leistete nur seinem Amtseid Folge und vertrat die Interessen der vereinigten Staaten - mit all ihren Facetten.

Obama