Der Boden ist hart. Wie das Leben…

Vergangene Nacht habe ich neben Geldautomaten gepennt. Gestrandet in Amberg mit zugegeben ein wenig Promille zu viel im Blut und der Fehleinschätzung von Zeit und Umständen blieb mir fast nichts anderes übrig, dem frostigen Tod eins auszuwischen und mein Lager hier aufzuschlagen. Vier Stunden am Bahnhof auszuharren, bis der Zug kommt, ist derzeit keine verlockende Option mehr. Noch dazu war ich schon energetisch angeschlagen, da seit vier Uhr morgens auf den Beinen. Bleierne, alkoholisierte Müdigkeit und Kälte sind eine ziemlich überzeugende Kombination mit gewissen gesellschaftlichen Tabus zu brechen. Dann wird so ein Finanztempel im Handumdrehen zur einladenden Wärmestube.

Ich lag da also so herum, im vollen Licht der Beleuchtung, oft dösend, niemals richtig schlafend, und wartete auf die Bullen, die mich jeden Moment knüppelnd und mittels Wasserwerfereinsatz wieder hinausgeleiten mussten. Vergebens. Der Boden war etwas hart für meinen Geschmack, gab jedoch ein angemessenes Bild der Finanzwelt auf diese Weise ab. In der Not wird der Gaukler zum Gesalbten. Wenn sie mir ein Bett reingestellt hätten, hätte ich ein Konto eröffnet. Spontan und sehr dankbar.

Zweifelsohne bin ich jetzt auf Überwachungsvideos drauf und zwar in ungewöhnlicher, eigentlich nicht statthafter Weise. Ich denke aber, dass meine Beweggründe darauf leicht abzuleiten sind: Nach Mitternacht. Toter Provinzbahnhof gleich gegenüber. Der Hochsommer ist vorüber. Dieser arme Mann friert, will hier aber gar nicht wohnen. Lassen wir ihn leben…

Gegen Sieben dann wurde ich am Nürnberger Hauptbahnhof von einem jungen Kerl um etwas Kleingeld angebettelt. "Für was zu essen". Ich war echt nicht gut drauf und wandte mich sachte das Haupt schüttelnd ab. Zügig ließ ich ihn stehen. Dabei hatte ich Kleingeld einstecken. Dieses "für was zu essen" hing mir dann ganz schön nach. Ich verbrachte den restlichen Heimweg damit mir einzureden, dass das so tragisch nun auch nicht sei. Er würde jetzt bestimmt nicht verhungern wegen mir, noch seinem Leben im Gleisbett ein Ende setzen, während ein letztes "Mama…" seinen Lippen flieht. Das stimmt wohl. Trotzdem, ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Vielleicht auch gerade deswegen, weil ich noch kurz zuvor selbst ein wenig bedürftiger war und mich ihm zumindest vom Lifestyle her für wenige Stunden annäherte. Ich finde, da habe ich mir ein bisschen schlechtes Gewissen echt redlich verdient! Und wo schlaft ihr so, wenn nicht euren Betten?

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