Der "heimliche Star" der Wahl

Gestern tagte die Bundesversammlung und hat Frank-Walter Steinmeier mit großer Mehrheit zum deutschen Bundespräsidenten gewählt. Auch wenn das Ergebnis vorhersehbar war, schien mir das Interesse an der Wahl sehr groß zu sein, zumindest wenn ich Twitter und die Reaktionen aus meinem persönlichen Umfeld zugrunde Lege. Das kann einerseits am Entertainment-Faktor aufgrund der interessanten Kombination aus Polit- und Boulevard-Prominenz, die bei diesem Ereignis anwesend war liegen, ich denke aber auch am wieder gestiegenen Politikinteresse in der Bevölkerung.
Vor allem einer zog den Nutzten aus der Aufmerksamkeit und ich muss sagen, dass mich nicht Frank-Walter Steinmeier, sondern vor allem der noch amtierende Bundestagspräsident Norbert Lammert mit seiner Rede und seinem Auftreten überzeugt hat. Ich behaupte fast, dass er auch die nicht besonders politisch affinen unter uns sehr gut mitreißen konnte. Er zeigte sich wortgewandt mit Ironie und Witz, war dennoch voll bei der Sache (ein wenig streng) und sehr souverän. Bei seiner Rede hat er vieles auf den Punkt gebracht und zudem den scheidenden Bundespräsidenten Joachim Gauck würdevoll und empathisch verabschiedet.
Er hat verdeutlicht wie wichtig die Haltung des Westens gegenüber Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und den Prinzipien der repräsentativen Demokratie sei. Herausforderungen wie der Umgang mit den Migrationsströmen oder der Kampf gegen Terrorismus und Klimawandel könne nicht von den Nationalstaaten allein bewältigt werden. Dies gelte für jedes einzelne europäische Land sowie für die USA, welche er doch, sowie auch die Namen "Donald Trump" und "Wladimir Putin”, nicht konkret ausgesprochen hat. Dann forderte er noch dazu auf, dass wir selbst, auch wenn Zeitgenossen wie Trump, Putin und auch die anwesenden AfD-Vertreter nicht daran glauben, umso mehr an einem starken Europa festhalten und an die dahinter stehende Idee glauben sollten.
Die gut durchdachte Ansprache von Norbert Lammert, der ja lange selbst als möglicher Kandidat für Bundespräsidentenamt galt, hat durchaus Potential hat im Gedächtnis zu bleiben. Sympathisch war auch, wie er am Ende noch dazu aufforderte doch bitte keinen Stau beim Abholen des (wohlverdienten) Bieres aufkommen zu lassen und an die anderen Biertrinker hinter sich in der Schlange zu denken. Erfrischend, wenn man oft trockenen politischen Alltag sich auch ein wenig humorvoll zeigen kann.

Bundesversammlung

https://www.bundestag.de/parlament/praesidium/reden/2017/003/492714