Der kurze Weg von Aubemayang zur Afd

Ich bin ganz ehrlich: Sympathisch ist mir der Aubemayang nicht. Er spielt in den falschen Farben, schießt gegen uns viel zu viele Tore. Und wenn er dann seine Sponsorenmaske anzieht und meint, das ist cool anstatt aufgesetzt, finde ich ihn doof. Aber: Mir geht dieses ewige Aufregen völlig auf den Keks.
Da ist ein Mensch, der aus einem der ärmsten Länder der Welt stammt. Er wird hofiert, muss sich jedoch durch ein grausames System kämpfen, das an Menschenhandel grenzt, um tatsächlich Fußballprofi in Europa zu werden. Er traininert, verdient viel Geld, kann damit seine ganze Familie ernähren. Er wird bejubelt und kann sich alles leisten – Fellmützen und Sportwagen inklusive.
Davor habe ich eine Menge Respekt.
Und wenn dann die BILD daher kommt und sich darüber aufregt, dass der Mann keinen Respekt vor unseren Werten hat, dass er seiner Mannschaft auf der Nase herumspringt und die armen Fans ihr letztes Hemd für sein Geld hergeben, dann ist das einfach falsch. Denn damit wird ein Bild des doofen Schwarzen entworfen, der uns auf der Nase herumtanzt.
Ich habe letztens erschrocken folgendes Stammtischgespräch gehört: „Der Aubemayang, der hat doch keinen Bock. Der tanzt doch uns Fans auf der Nase herum, nur um irgendwo noch ein paar Millionen mehr abzugreifen. Und wir ärgern uns weil die Borussia den Bach runtergeht!“
„Jau, das ist genau wie mit den Flüchtlingen. Die kommen hier her und machen, was die wollen. Und wir dürfen die dann noch nicht mal nach Hause schicken!“
Ich musste mich doch arg zusammenreißen. Natürlich läuft nicht alles glatt und natürlich gibt es Menschen, die unser System ausnutzen und wir uns dagegen wehren müssen. Aber diese Pauschalisierung ist arg gefährlich.
Die beiden Herren haben mit Einem Recht: Sowohl Aubemayang als auch die Flüchtlinge haben mehr Mist, mehr Gefahr und mehr Armut erlebt als jeder Einzelne von uns je erleben wird. Sie haben ihr Hab und Gut zurück gelassen, viele geliebte Menschen verloren und wollen nichts weiter, als ein wenig Frieden erleben. Diese Menschen gilt es zu schützen. Sowohl vor Idioten, die dieses System für sich ausnutzen, als auch vor Idioten, die daraus politische Parolen schmieden.
Und vor den Idioten, die solch einen Mist erzählen. All das konnte ich den beiden Herren nicht sagen. Aber als einer von denen sagte: „ Das hat es früher nicht gegeben“, da konnte ich doch noch kontern.
„Ich erinnere mich in den Siebzigern an einen Spieler von der anderen Borussia. Der fuhr einen Ferrari, weil er es konnte. Er trug lange Haare und hatte manchmal keinen Bock, gegen den Ball zu treten. Das Schlimmste war, als er sich seinem Trainer widersetzt hatte und sich selber in ein Spiel eingewechselt hat. Jeder normale Spieler fliegt dafür aus der Mannschaft. Dieser Mann ist jetzt eine lebende Legende, und noch nicht mal Ausländer. Der Mann heißt Günter Netzer. Denkt mal drüber nach!“, sagte ich und verließ das Lokal.

Aubemayang, Afd