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Der Videobeweis in der Bundesliga - alles Kopfsache

Klar, gerade ich als Fussballromantiker muss diesen Videobeweis nicht haben. Gerade beim Pokalfinale konnte man es wieder einmal genau sehen – eine Entscheidung wird getroffen (oder auch eben nicht), die Diskussionen und Aufregungen beginnen, der Schiri greift sich ans Ohr – geht zum Monitor – und revidiert seine Entscheidung. Oder auch eben nicht.
Und trotzdem gibt es Fehlentscheidungen. Oder? Abgesehen davon, dass die Elfmeterentscheidung im Finale aus meiner Sicht gar nicht sooo klar war – der Fuß wird zwar getroffen, aber der Spieler hebt mit dem anderen Fuß ab, um dann hinzufallen. Genau so wie wir beim Handspiel immer mal solche und solche Entscheidungen gesehen haben.
Für mich ist das gut – denn der Fussball wird trotz Videobeweises eben nicht zu einer seelenlosen Veranstaltung, weil man nicht mehr so schön hitzig diskutieren kann.
Und ja, die Durchführung des VB war im Saisonstart katastrophal. Und ist jetzt immer noch schlimm. Aber immerhin hat sich da schon etwas verbessert.
Und ja, der VB ändert das Spiel dramatisch – zuletzt war es so, als die Rückpassregel zum Torwart geändert wurde, so vor ca. 20 Jahren. Das hat ganze Meisterschaften entschieden, wenn auch nur für 4 Minuten…
Aber bei allem Aufregen fallen mir 2 Begebenheiten auf, warum der VB nicht mehr rückgängig zu machen ist:
1. Die Champions League Spiele. Wer ernsthaft gegen die Einführung von technischen Hilfsmitteln ist, um die Ergebnisse nicht völlig willkürlich ausgehen zu lassen, sei nur einmal an die Champions League Halb- und Viertelfinals erinnert. Wer dort die haarsträubenden und teils eklatanten Entscheidungen gesehen hat, der kann nicht ernsthaft die Abschaffung des VB fordern.
2. Ich war zuletzt mal wieder im Stadion, ich glaube es war Schalke – Mönchengladbach. Ich war wahrlich nicht mit der VB Entscheidung einverstanden, als der Schalker Spieler einem Gladbacher einen leichten "Wischer" mitgegeben hat, was der „Getroffene“ für eine großartige Schauspieleinlage genutzt hat und somit die Rote Karte provoziert hat. Das liegt aber weniger am VB, als an der Regel an sich, dass die Hand im Gesicht eines Gegenspielers nun mal nichts zu suchen hat. Auch hier war die Aufregung groß, das Gefühl, beschissen zu werden, war vorherrschend. Kurz vor der Halbzeit wieder VB- diesmal zum Vorteil der Schalker, die einen Elfmeter, der mal gegeben wird und mal nicht, zugesprochen bekamen.
Kurz danach war Halbzeit, beide Fanlager skandierten lautstark gegen den DFB und dem VB. Bei den Entscheidungen hätte man wahrscheinlich in beiden Fällen nicht anders entscheiden MÜSSEN – auch Ribery hat schon mehrere leichte Wischer gemacht und ist nicht bestraft worden, und wie gesagt, die Elfmetersituation wird mal gepfiffen, mal nicht. Aber viel entscheidender finde ich, was ich in der Halbzeitpause bei den Zuschauern gesehen habe – früher wurde miteinander gesprochen und diskutiert. Heute hat fast jeder auf seinem Handy überprüft, wie denn die Entscheidungen gewertet wurden – also die virtuelle Überprüfung des VBs. Und dann noch per Whatsapp mit anderen geteilt und diskutiert. Da wurde mir klar – wir leben in einer digitalen Welt, ob wir wollen oder nicht. Das Verhalten der Fans ist schon längst auf den VB ausgerichtet. Wenn die Fans praktisch online ihren eigenen „VB“ in der Tasche haben, kann der Schiri nicht darauf verzichten. Um es mit den Worten meines alten Mathelehrers auszudrücken – der VB ist eine NOTWENDIGE Voraussetzung für mehr Gerechtigkeit im Fussball. Aber keine HINREICHENDE. Dafür fehlt noch etwas. Vielleicht einfach die Gewöhnung.

Und im Vergleich zu diesem Spiel, wo zwei Kann-Entscheidungen vom VB revidiert wurden, fand ich das Verhalten des Schiris beim Pokalfinale eher angenehm, als er ebenfalls zwei strittige Kann-Entscheidungen nicht einfach aus dem Kölner Keller überstimmen ließ, sondern sie sich angeschaut hat und dann bei seinem Ersten Eindruck geblieben ist. Der, wie gesagt, nicht zwingend falsch war. Also kann man das schon als Fortschritt sehen. Und der Rest ist Gewöhnung. Noch vor 5 Jahren hatten die Fans zwar ihr Handy im Stadion, um mal ein Foto zu schießen – aber nicht, um sich via Sky go oder kicker online die Entscheidungen selber zu prüfen. Insofern brauchen wir wohl nur ein paar Jahre, und mehr Kommunikation, um den Torjubel genauso frenetisch zu feiern, wie bisher. Nur eben erst mit Verzögerung….
Verändern können wir es nicht. Höchstens durch Verzicht auf Bundesliga und Champions League.

Videobeweis