Des Satans alte Kleider

Achtung, Schwurbel-Sonntag! Vage identifizierbare Hirngespinste auf der Suche nach einem Zuhause aus Buchstabensalat. Also weißte Bescheid…

Wenn es eine Sache wert ist braucht sie finde ich von Zeit zu Zeit trotzdem ein neues "Kleid", sonst versifft das Wesentliche nach und nach und das nicht nur in einer Hinsicht. Einmal neigen wir dazu Altes grundsätzlich irgendwann für überholt zu halten, egal ob dies angebracht ist oder nicht. Das Leben möchte unablässig erneuern und variieren, ohne Rücksicht auf Verluste. Auch die Konzepte und Auffassungen in unseren Köpfen rührt es mit eisernem Kochlöffel durch, egal ob sie bereits gut "schmeckten" oder nicht, oder dann nicht mehr, bzw. dann erst, um sie schließlich doch wieder kaputtzuquirlen. Dann ist da das schleichende Gift begleitender Umstände. Ideen köcheln im Eintopf des Lebens und der färbt geschmacklich zunehmend auf sie ab. Sprache und Gestus neigen schnell zum Schalwerden. Inhalt ist zeitlos. Entweder zeitlos schön oder zeitlos hässlich. Er ist was er ist. Aber sein "Tuch" wird unweigerlich immer schmutziger. Manchmal ist das gut. In letzterem Fall. Manchmal schade. Vielleicht sogar tragisch. Wenn er schön und gut ist. Dieser Gebrauchsschmutz wird dann auch noch zunehmend mit dem Inhalt verwechselt. Angeschmuddelte Kategorien entstehen, die diese Ideen schließlich voreilig zu ersetzen suchen. "Gutmensch" ist so eine Kategorie. "Sozi" oder "Öko". Sprache ist eine Falle, wenn sie sich in der Sache nicht irgendwann und immerwieder erneuert, damit sie sich nicht die Bedeutungshoheit über ihre Inhalte erschleicht und diese mit der Zeit entsprechend mit sich in die Niederungen abgeschmackten Klischeedenkens reißt. Sie bildet zusammen mit einer dazu inszenierten Haltung die Verpackung, mit der Inhalte erkannt und verkauft werden. Denn wir sprechen vor allem an auf Verpackung. Sie ist uns oftmals wichtiger als das Verpackte. Die meisten von uns dürften das kennen. Von Zeit zu Zeit wird sie bewusst erneuert, damit man den alten Kram erneut kauft. Das reicht oft schon. Solange der Inhalt nach wie vor funktioniert ist es meist okay. Beispiel Diäten. Das uralte und banale "Friss-weniger-und-nimm-ab" braucht immer nur wieder einen neuen, gut klingenden Namen und einen überzeugenden, neuen Ansatz, der eine brandneue Methodik vortäuscht. Der heiße Scheiß von heute würde sonst der alte Scheiß von morgen, den dann keiner ob seiner veralteten Hülle mehr kaufen will. Was wir unwichtigem Tand angedeihen lassen, um ihn erneut zu verhökern, ersparen wir komischerweise der Suche nach grundlegenden Veränderungen unserer Lebenswelt. Die Politik scheint noch immer vorwiegend bevölkert von "linken Socken", "Kommunisten", "Nazis" und den Wölfen im Schafspelz überall dazwischen. Der Alltag von "Gutmenschen", "Asis" oder "Spießern". Kein guter Ansatz, kein Konzept für eine bessere Welt hat scheinbar auf Dauer eine Chance. Der wachsende Bart der Zeit steht keiner Bewegung auf Dauer gut zu Gesicht. Dazu kommt, dass wir Menschen praktisch alles irgendwann vermasseln und dann der schlechte Ruf sich wie ein speckiges Laken noch zusätzlich über die möglicherweise guten Ansätze von einst breitet, so dass niemand sie mehr anerkennen mag. Weil die angesudelte Packung mit dem Inhalt in wachsendem Maße gleichgesetzt wird, der schließlich unidentifizierbar hinter die Fassade zurückfällt. Als könnten gute Ansätze nicht auch nur einfach schlecht bis katastrophal umgesetzt worden sein. Als sei einer Entwicklung nicht grundsätzlich die Gefahr eines Totalschadens inhärent, was über ihre grundsätzliche Richtigkeit ja noch nichts aussagen muss. Wenn gute Ideen an die Wand gefahren werden ist es nicht unbedingt Schuld dieser Ideen, sondern die des "Fahrers". Mit Labels werden Grabsteine auf Entwicklungen gestellt. Dann gibt es nur noch Unterstützer oder Gegner, die mehr mit Fans von Fußballvereinen gemein haben, als mit Menschen auf der Suche nach Lösungen gesellschaftlicher Fragen. Politische Parteien sind solche Grabsteine. Weil sie ihre Verpackung nie ändern und in ihrem jeweiligen Gehabe vor sich hindümpeln. Oder? Es war Sonntag.

Grübeln, Sinnieren und Tagträumen..., Sprache, Klischees, Zeit

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