Deutsche Einheit 2016

Ich war ja noch nie ein Freund des 3. Oktobers als Tag der deutschen Einheit. Das Einzige, was an diesem Tag gefeiert werden kann, ist der Beitritt der sechs neuen Bundesländer im Osten Deutschlands zur Bundesrepublik Deutschland. Das ist zwar ein wunderbares Ereignis, aber der Tag, an dem das Ereignis stattfand, war doch wohl eher zufällig. Im Grunde ist der 3. Oktober der Helmut-Kohl-Gedenktag, der nur deshalb weiterhin gefeiert hat, weil kein Politiker sich das eingestehen will. Für mich wäre der 9. November passender, als der Tag, an dem zahlreiche Ereignisse in positiver, negativer und auch schrecklicher Weise ihren Stempel im Buch der deutschen Geschichte hinterließen, ein wahrhafter deutscher Gedenktag also.
Wie sieht es also aus mit dem Zustand der deutschen Einheit an diesem Jahrestag? Im Grunde ist die deutsche Einheit doch inzwischen vollständige Normalität. Der Unterschied zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen besteht fort, aber er gestaltet sich in derselben Weise wie der Unterschied zwischen Süddeutschen und Norddeutschen, zwischen Baden und Schwaben, zwischen Bayern und Hessen, zwischen Rheinländern und Westfalen. Deutschland ist ein vielgestaltiges Land, ohne dass man hier noch die zahlreichen Migranten hinzurechnen muss. Deutschland war immer eine Einheit in Vielfalt, und das wird auch so bleiben. Wichtig ist, dass der gegenseitige Respekt da ist.
Und hier besteht wirklich Anlass zur Sorge. Es ist paradox, dass die diesjährigen Feiern zum Tag der deutschen Einheit ausgerechnet in Dresden stattfinden, der Hauptstadt jenes Bundeslands, das in der letzten Zeit mehr und mehr zum Objekt eines kollektiven Nazi-Bashings geworden ist, ob dies nun gerechtfertigt ist oder nicht. Es mag sein, dass die Stimmung hinsichtlich der Migration in Teilen Sachsens eine andere ist, als man dies in den multikulti-bewegten Redaktionsstuben in Berlin, Köln und Hamburg gerne hätte. Es mag sein, dass die Angst vor Veränderung, die die Bürger in den neuen Bundesländern tendenziell bewegt, irrational und durch keine reellen Gründe gerechtfertigt ist. Das sollte aber kein Grund sein, ein ganzes Bundesland kollektiv in die rechte Ecke zu stellen. Genau auf diese Weise wird die deutsche Einheit effektiv infrage gestellt.
Aber gut, vielleicht ist dies auch nur ein Kollateralschaden im Kampf gegen Rechts. Auf das Indiz hin, dass einer der Anschläge in Dresden einer Moschee galt, wurde ja auch pauschal geurteilt, alles deute auf ein fremdenfeindliches Motiv hin. Niemand kam auf die Idee, sich daran zu erinnern, dass seit Tagen im Internet Aufrufe der Antifa herumgeistern, die Feiern der deutschen Einheit in Dresden zu einem Fiasko zu machen. Da musste erst ein Bekennerschreiben der Antifa auf Indymedia auftauchen, das sich konkret auf die Anschläge bezog, um diese Verbindung herzustellen. Wie unser Bundesjustizminister schon sagte – Linksextremismus ist ein aufgebauschtes Problem. Wenn es nach Presse und Politik geht, ist alleine der Kampf gegen Rechts wichtig. Wenn die deutsche Einheit darunter leidet, wird dies in Kauf genommen. Hoffnung macht das nicht.

Deutsche Einheit, Sachsen