Die Rhetorik des starken Mannes & ein Appell für die Demokratie

Eine erschütternde Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung offenbart ein grausames Bild über die Tendenzen in der deutschen Gesellschaft. Jeder zehnte Befragte sehnt sich einer einer autokratischen Führung als leitende Instanz des Staates. Erleben wir also eine Renaissance des autokratischen Herrschens?

Das Ergebnis der Studie mag erschüttern und doch repräsentiert sie einen gefährlichen Wandel, der in den letzten Jahren in der Weltöffentlichkeit stattfand. Die ohnehin desillusionierte Gesellschaft erfuhr eine Regierung des Desinteresses und der fortwährenden Ignoranz. Ein Teil der Gesellschaft fiel diesem Wandel zum Opfer und formierte sich in rechtskonservativen Gruppierung, welche eine starke Identifikation beherbergt. Eigentlich sollte in einem Refugium der freiheitlichen Grundordnung die Demokratie als höchstes Gut angesehen und verteidigt werden. Doch im postfaktischen Zeitalter erlebt die populistische Rhetorik des starken Mannes eine absurde Blütezeit. Putin, Trump – augenscheinlich entschlossene Ritter im Kampf gegen das ermüdete Establishment. Mit Wortgewalt und Charisma beherrschen sie die Bühne der Öffentlichkeit und verdrängen die Kandidaten des Inhalts.
Doch dieser absurde Wahn nach dem großen Auftritt findet nicht nur in fernen Ländern statt. Direkt vor den Toren Europas herrschen ebenfalls despotische Kräfte. Der türkische Premier Erdogan ist nichts weiter als ein Diktator im unschuldigen Gewand der Demokratie gehüllt.

Dabei ist es gerade die Demokratie, die es uns erlaubt freiheitlich zu leben. Demokratie mag langsam sein, doch nur diese Eigenschaft macht sie gerecht. Nur das andauernde reflektieren über die eigenen Organe ermöglicht es der aufgeklärten Gesellschaft zu existieren. In Zeiten der bedrohlichen Rhetorik von notwendiger Überwachung, Einschränkung, Hass und Pauschalisierung ist es essentiell gegensätzliche Impulse zu setzen. Die bewegendsten Worte entsprangen wohl dem ehemaligen norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg, nach den abscheulichen Angriffen auf die Ferieninsel Utoya und die Osloer Innenstadt: "Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit."

Stoltenberg erkannte nämlich ein wichtiges und gleichsam erschreckendes Prinzip. Wer im Kampf für die Freiheit seine Prinzipien missachtet, verliert den Kampf ungeachtet des tatsächlichen Ausgangs.
Es ist also wichtig an jeden Einwohner zu appellieren, dass nur die Freiheit der Demokratie ein gesellschaftliches Zusammenleben ermöglicht. Nur die Demokratie vermag es zu schlichten, zu verstehen und zu besänftigen, nicht wie der Despot, zu schüren, zu keifen und zu kämpfen. Auch wenn es Herausforderungen geben mag, denen sich unsere Gesellschaft stellen muss, so ist es unabdingbar unsere gemeinsamen Werte nicht zu vergessen. Einigkeit und Recht und Freiheit. Denn mit den gemeinschaftlichen Werten verhält es sich ähnlich wie mit einer Freundschaft. Auch in den dunkelsten Stunden muss sie Bestand haben, um eine wahre zu sein.
Denn, wer nach Selbstjustiz schreit, vergisst gerne, dass ihn die Umstände selber zum Täter machen könnten. Wer nach starker Hand verlangt, vergisst, dass diese ihn selber richten könnte.

Es täte also der gesamten Gesellschaft gut gemeinschaftlich an Perspektiven zu arbeiten, anstatt das gemeinsame Klima zu vergiften. Freiheit ist schließlich kostbarer als jedes Geschenk, das dich dazu verleiten mag, sie aufzugeben.

Demokratie, Trump, Freiheit

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/studie-warum-sich-viele-deutsche-einen-fuehrer-wuenschen/3561494.html

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