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Dieses dreckige Geschäft – was Goretzka und Aubemayang gemeinsam haben (Und Walace und wie sie alle heißen)

Mir gehen beide Protagonisten gehörig auf den Senkel – der eine, weil er sein Team im Stich lässt und sich Ungeheuerlichkeiten leistet. Der andere, weil er die ganze Zeit sagt, wie sehr ihm die Entwicklung am Herzen liegt, um sich dann doch anders zu entscheiden.
Was sind die beiden denn nun? Herzlose Maschinen, denen nur am Geld was liegt? Titelgeil? Weil es ja so cool ist, mal mit Bayern Meister zu werden? Schafft ja sonst keiner?
Diese Geschichten gibt es natürlich zu Hauf. Ob es Manuel Neuer war, Mario Götze, auch in den „guten alten Zeiten“ wurden oft genug unsere Helden zu Verrätern.
Aber warum ist das eigentlich so? Ich glaube nicht, dass Spieler, die Jahrelang ihre Knochen für eine Mannschaft hinhalten, auf einmal seelenlose Söldner sind. Dass ihnen der Jubel von 60.000 oder 80.000 Menschen egal ist. Ich hab mal Basketball vor 20 Zuschauern gespielt. War geil.
Ich möchte mal eine andere Sichtweise anbringen. Ich stelle mir einmal vor, ich wäre Leon. Oder Max. Oder (passt mehr zu meinem Alter) Olaf. Ich bin ein hochbegabter Fussballer. Warum bin ich das? Weil ich das Spiel liebe, hart trainiert habe und mein Talent genutzt habe. Seit ich 10 Jahre alt bin werde ich hofiert. Anfangs von den bierbäuchigen, verrauchten Trainern im ballonseidenen Anzug. Später dann von den abgehalfterten Stars, den Legats und Baslers, die irgendwo eine Bundesligajugendmannschaft coachen dürfen.
Dann kommen die Manager. Mit 15, 16 Jahren sitzen sie bei Dir und Deinen Eltern und prophezeien Dir das goldene vom Himmel. Für jeden bist Du ein Held.
Jetzt gibt es für Dich nur 2 Möglichkeiten: Du hebst ab – eigentlich völlig verständlich, denn wer sagt Dir denn noch, dass Du auch nur ein Mensch bist, wenn Du vor dem Kino Autogramme geben sollst? Du fühlst Dich also gottgleich und denkst an Deinen Vorteil, an goldene Wasserhähne und Einhörner im Swimmingpool. Kurz: Du machst den Donis. Also den Avdidjai. Ich kann es dem Jungen nicht verdenken.
Oder irgendwer aus Deinem Umfeld hält Dich halbwegs auf dem Boden – Deine Eltern oder Dein Berater. Sie sorgen dafür dass Du weiter hart arbeitest, viel trainierst. Sie helfen Dir, zur Persönlichkeit zu reifen, um überhaupt halbwegs zu überstehen in einer völlig überdrehten Welt um Dich herum. Das ist ja das Paradoxe: in einem Mannschaftssport musst Du trotzdem ein Ego-spieler sein, um überhaupt weiter zu kommen. Der einzige Weg, das zu schaffen ist, möglichst niemandem aus dieser verblendeten Welt zu vertrauen, außer Deinen Eltern und Deinem Berater. Du musst Dich innerlich abkapseln, sonst überstehst Du den Rummel nicht.
Aber: DU bist immer noch ein Junge von Anfang 20. Hast Du eine gereifte Persönlichkeit? Nein. Du bist jemand, dem die Pubertät genommen wurde. Der nicht ausrasten durfte. Entwicklungspsychologisch fehlt Dir so einiges. Egal, wie toll Du Dich in den Medien darstellst. Du bist also nochmals davon abhängig, was Dein Berater Dir so sagt.
Und womit verdient ein guter Berater so sein Geld? Ach ja, richtig: Mit Handgeldern und bei Vereinswechseln. Wenn er ein guter Berater ist, ist er auch eine Art Geldverwalter: Ein nüchterner, kalkulierender Mensch, der mit Dir einen Karriereplan ausarbeitet. Der immer den Anschein bewahrt, sich um Deine Belange zu kümmern. Ich kann gut verstehen, dass Dir so jemand rät, sich einmal mit Uli Hoeness zu treffen. Auf ihn zu hören, der Dir einen goldenen Weg, viele Titel und ein gutes Standing bei Jogi Löw verspricht. Ich glaube sogar Leon, dass sein Herz doch etwas an Schalke hing und er wirklich noch einmal überlegen musste. Aber definitiv nicht so lange. Seit dem Sommer war das hinhalten, nichts weiter. Weil der Junge so ein abgezockter Typ ist? Oder weil er einen Berater hat, der ihm einen genauen Fahrplan ausgeheckt hat?
Mir tut Leon leid, dass er nicht ehrlich sein durfte.
Und Auba? Ich glaube, er hatte es noch schwerer, sich durchzusetzen. Für ihn und für seine Familie ging es ums Überleben. Die Berater und Manager sind noch um einiges windiger, mit eher mafiösen Strukturen. Damit Du selbst überhaupt erst einmal etwas von Deinem Geld siehst, musst Du schon außergewöhnlich gut sein. Und Dein Umfeld, Deine Familie? Können Sie dich auf dem Teppich halten, wenn Du das bist, der ihnen zu Wohlstand verhilft? Der es der Familie ermöglicht, in einem Luxus zu leben, der in Deiner Heimat schlicht nicht bekannt ist? Bist Du dann wirklich noch ein Teamplayer? Kann man loyal zu seinem Arbeitgeber sein, wenn Du in einer Welt aufgewachsen bist, wo es dieses Wort gar nicht gibt?
So wenig ich diesen Hype hasse, ich glaube, Auba kann gar nicht anders sein. Und dass bei ihm tatsächlich Geld ausschlaggebend ist, weil er nun mal weiß, wie es 98% seiner Landsleute geht, ist auch klar. Also, mit deutschen Werten und Tugenden kommt man bei ihm nicht weit. Muss man ihn dafür hassen? Ich kann es nicht.
Das Einzige, was ich hasse, ist die Unehrlichkeit, die berater- und mediengesteuert zu uns kommuniziert wird.
Ein Olaf Thon kam aus Gelsenkirchen, hat aber nie einen Hehl aus seiner Bayern-Sympathie gemacht. Er rettete uns mit seiner Ablöse den Hintern, holte sich seine Erfolge, und kam wieder zurück, um hier ein echter Held zu werden. Und jetzt ist er auch ein echter Schalker. Marc Wilmots verließ uns als Held beleidigt, als Kampfsuse Möller kam (der natürlich aus Dortmunder Sicht ein großer Verräter war). BEIDE haben einen Platz bei uns.
Vielleicht wird einer der jetzigen Verräter noch zu einem Helden und ECHTEN Typen. Die Chance dazu ist da. Vielleicht muss dazu auch erst der Charakter so weit reifen, dass man auf sein Herz hören kann. Und vielleicht müssen unsere Eigengewächse auch erst erkennen, dass wir schon zu den ziemlich großen Clubs gehören. Oder, wie Frank Goossen so schön sagt: Woanders ist auch scheiße.
Also bleiben wir locker, lassen die Jungs, die nicht wollen gehen und zeigen den anderen, dass es sich lohnt, bei uns zu bleiben.

Goretzka, Aubemayang